13.07.1998

GESTORBENKarl Peters

94. In den fünfziger Jahren, als Liberalität noch eine sehr rare Eigenschaft unter deutschen Juristen war, setzte sich der Münsteraner Hochschulprofessor schon für Lockerungen im Strafvollzug ein. Auch stellte er Überlegungen an, wie man Strafe nachhaltig mit einer Wegweisung zur Besserung verbinden könnte. Beim Bundesverfassungsgericht erreichte er die Abschaffung der Mehrfachbestrafung von Wehrdienstverweigerern. Die Beiträge Peters', Sohn eines Koblenzer Schulverwaltungsbeamten, galten als maßgeblich für die Reform des Straf-, Sexualstraf- und Strafvollzugsrechts; er gehörte zu den Begründern der Kriminalpädagogik. Vom Bundesjustizministerium beauftragt, widmete er sich in den sechziger Jahren der systematischen Aufarbeitung von Justizirrtümern. In seinem dreibändigen Werk "Fehlerquellen im Strafprozeß" kam er zu erschreckenden Ergebnissen, was die Fehlerhäufigkeit und die Ohnmacht der davon Betroffenen anbelangte. "Die menschliche Bildung" aller an einem Urteil Mitwirkenden stand für ihn im Vordergrund, denn "das Gesetz lebt aus dem Menschen". Karl Peters starb am 2. Juli in Münster.

DER SPIEGEL 29/1998
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Karl Peters

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