27.09.2010

KIRCHEIndividuelle Entschädigung

Die katholische Kirche will ihre Missbrauchsopfer finanziell nicht durch eine pauschale Summe entschädigen, sondern individuell je nach Schwere des Falls. Diesen Vorschlag wollen die deutschen Bischöfe an diesem Donnerstag beim Runden Tisch "Sexueller Kindesmissbrauch" einbringen. Dabei gehe es um Summen, "die der Schwere der Tat angemessen sind und die den Opfern wirklich helfen", kündigt ein Vertreter der Bischofskonferenz an. Das könnten, wie es in ähnlichen Fällen auch von deutschen Gerichten entschieden worden sei, zwischen 5000 und 10 000 Euro sein, jedoch nicht die von Opfervertretern pauschal geforderten 82 373 Euro. Allerdings sollen Kosten für Therapien und andere Hilfsleistungen auch in größerem Umfang von der Kirche erbracht werden. Die höchste bisher bekanntgewordene Summe betrug 25 000 Euro. Auch wenn die ersten Zahlungen noch in diesem Jahr erfolgen könnten, kritisiert Christine Bergmann (SPD), die vom Bund berufene "Unabhängige Beauftragte zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs", die Haltung der Kirche als zu zögerlich: "Die Betroffenen wollen, dass Täter oder Institutionen für das Unrecht Verantwortung übernehmen. Die meisten, die sich bei uns melden, wollen eine finanzielle Entschädigung, weil sie durch das Missbrauchsgeschehen im beruflichen Leben oft nicht Fuß fassen konnten oder starke finanzielle Einbußen durch zum Teil langjährige Therapien hinnehmen mussten." Der Opfersprecher Matthias Katsch drängt darauf, dass es "kein bürokratisches Anerkennungsverfahren" geben wird; außerdem sei es abwegig, wenn die Kirche mit der Opferentschädigung einen Klageverzicht verbinde: "Diese Koppelung darf es nicht geben."

DER SPIEGEL 39/2010
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