27.09.2010

ARGENTINIENGeknebelte Presse

Kurz vor ihrer Reise nach Deutschland, wo sie Argentinien als Gastland der Frankfurter Buchmesse präsentieren will, knebelt Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner zu Hause die Presse. Der jüngste Trick der Peronistin, die Blätter "Clarín" und "La Nación" zum Schweigen zu bringen: eine Klage gegen deren Eigentümer wegen "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" - in einem Fall, der Jahrzehnte zurückliegt. Kirchner beschuldigt die Zeitungsverleger, sie hätten in den siebziger Jahren die einzige Papierfabrik des Landes unrechtmäßig und mit Hilfe der damaligen Militärjunta erworben. Doch selbst der Bruder eines der Vorbesitzer der Fabrik bescheinigt, der Verkauf sei "zu den besten Bedingungen und in Freiheit" erfolgt. "Clarín", die größte spanischsprachige Tageszeitung in Lateinamerika, und "La Nación" waren beim Ehepaar Kirchner in Ungnade gefallen, als sie vor zwei Jahren deren Agrarpolitik kritisierten. Heute haben nur noch 36 Prozent der befragten Argentinier eine gute Meinung von der Präsidentin. Da sie die Presse für den Vertrauensverlust verantwortlich macht, will sie nun obendrein per Gesetz die Produktion und Zuteilung von Papier als "Gut von öffentlichem Interesse" ganz unter staatliche Kontrolle stellen.

DER SPIEGEL 39/2010
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