27.09.2010

IRAKSpäte Enthüllungen

Saddam Hussein betrachtete das Terrornetzwerk al-Qaida als "effektive Organisation" und freute sich, als Osama Bin Ladens Gefolgsleute 1998 auf US-Botschaften in Nairobi und Daressalem Anschläge verübten. Zugleich aber hielt er die Dschihadisten für "Opportunisten" und "Heuchler", denen er niemals trauen würde. Diese Einblicke in Husseins Denken lieferte dessen langjähriger Außenminister Tarik Asis den USA bereits 2004. Bekannt wurden sie aber erst vergangene Woche, nachdem Verhörprotokolle des FBI freigegeben worden waren. Die US-Bundespolizei hatte Asis ausgiebig zu Kontakten zwischen Bagdad und der Qaida befragt. Diese angebliche Zusammenarbeit war eine der Begründungen der US-Regierung für den Angriff auf den Irak 2003. Asis erklärte jedoch, er wisse nichts von Anstrengungen der irakischen Regierung, eine Beziehung zu al-Qaida aufzubauen. Der heute 74-Jährige hatte sich schon 2003 den Amerikanern gestellt und wurde später im Irak zu 22 Jahren Haft verurteilt. Osama Bin Laden hat die Abneigung des irakischen Diktators im Übrigen erwidert: Der Tyrann sei als Sozialist ungläubig und damit nicht vertrauenswürdig. Im Kreise von Gefolgsleuten soll der Qaida-Chef darüber phantasiert haben, Saddam Hussein selbst von der Macht zu vertreiben. Der pakistanische Journalist Hamid Mir, der Bin Laden persönlich traf, erinnert sich an noch deutlichere Worte. So habe Bin Laden den Iraker als "Schänder der arabischen Welt" bezeichnet.

DER SPIEGEL 39/2010
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