27.09.2010

FUSSBALLTödliches Spiel

Der unerwartete Aufstieg der kolumbianischen Fußball-Nationalmannschaft Anfang der neunziger Jahre war eine Folge des "Narco-Soccer", einer Verstrickung aus Sport, Drogen, Gewalt und Politik. In ihrer packenden Dokumentation "The Two Escobars" erzählen die US-amerikanischen Filmemacher Michael und Jeff Zimbalist die Geschichte von Pablo Escobar, dem Chef des Medellín-Kartells, und Andrés Escobar, Verteidiger im damaligen Nationalteam: Die beiden sind nicht verwandt, ihr Leben und Sterben aber ist untrennbar miteinander verbunden. Der Drogenbaron Pablo Escobar wusch in den Achtzigern wie andere kolumbianische Kokainhändler auch sein illegal verdientes Geld über einen Fußballclub. So war es den Vereinen plötzlich möglich, gute Spieler in Kolumbien zu halten und aus dem Ausland zu verpflichten. Pablo Escobar investierte in Atlético Nacional Medellín, wo Andrés in der Abwehr spielte. Das Team gewann 1989 die Copa Libertadores, die südamerikanische Champions League. Pablo Escobar förderte auch die Nationalmannschaft: Atlético-Trainer Francisco Maturana coachte parallel die "Los Cafeteros" um Kapitän Carlos Valderrama und den exzentrischen Torwart René Higuita. Soldaten einer Eliteeinheit erschossen Pablo Escobar 1993. Ein halbes Jahr später reiste die Nationalmannschaft als Geheimfavorit zur WM in die USA. Das Team verstand sich als Botschafter, es wollte der Welt zeigen, dass Kolumbien mehr ist als Mord und Drogen. Doch nach der Auftaktniederlage gegen Rumänien wurde in der Heimat der Bruder eines Spielers getötet, und unmittelbar vor der zweiten Partie gegen die USA erhielt die Mannschaft Morddrohungen. Andrés Escobar schoss ein Eigentor, Kolumbien verlor 1:2 und schied aus. Zehn Tage später richteten ihn zwei Drogenhändler in Medellín mit sechs Schüssen hin. Die Stärke des Films ist seine Intensität: Die Brutalität der Mafia, die Angst und Resignation der Spieler werden durch die Erzählungen der Beteiligten und die Originalaufnahmen deutlicher, als es in einem Spielfilm möglich wäre. Am Freitag feiert "The Two Escobars" Deutschland-Premiere beim Nürnberger Filmfestival der Menschenrechte.

DER SPIEGEL 39/2010
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