25.10.2010

VERTRIEBENENSTIFTUNGThierse fordert öffentliche Diskussion

Der Streit um die Vertriebenendokumentation des Bundes in Berlin geht in die nächste Runde. Das vertrauliche Konzept, über das der Stiftungsrat der Bundesstiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" an diesem Montag befinden soll, fordert die Kritiker neu heraus. In dem 28-seitigen Papier führen die Ausstellungsplaner aus, sie wollten "einen allgemeinen Überblick über mehr als 30 vertriebene ethnische Gruppen in Europa vermitteln und einige dieser Zwangsmigrationen vertiefend dokumentieren". Salomon Korn, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, hat das Konzept gelesen - und sieht die Massenverbrechen der Nationalsozialisten nicht angemessen dargestellt: "Die Juden waren die ersten Vertriebenen in diesem Land, das wird nicht ausreichend gewürdigt." Außerdem würde vernachlässigt, dass viele aus dem Osten vertriebene Deutsche zuvor selbst am Holocaust beteiligt waren. Korn, dessen Mitgliedschaft im Stiftungsrat ruht, sieht deshalb "keine Veranlassung, in das Gremium zurückzukehren". Auch der SPD-Vertreter im Stiftungsrat, Wolfgang Thierse, fordert eine Debatte. "Ich halte es für notwendig, dass der erste Entwurf der Ausstellungskonzeption nicht nur intern diskutiert wird, sondern auch in der wissenschaftlichen und politischen Öffentlichkeit", so Thierse. Nur so könne "das Misstrauen gegen die Stiftung überwunden und neues Vertrauen gewonnen werden". Laut dem Eckpunktepapier soll am Dokumentationsort, dem Deutschlandhaus am Rande des Berliner Regierungsviertels, eine Präsenzbibliothek zum Thema Zwangsmigration eingerichtet werden, außerdem setzt man darauf, die Besucher durch "Erlebnisschilderungen" aus "Sicht der Betroffenen" einzustimmen und "möglichst viele Zeitzeugenberichte" zu sammeln.

DER SPIEGEL 43/2010
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