30.10.2010

HOCHSCHULENFragwürdige Doktormacher

Die Technische Universität (TU) Dresden sorgt sich um ihren Ruf und geht gegen Promotionsvermittler im Dunstkreis der Universität vor. Das als Verein geführte Europäische Institut für postgraduale Bildung, kurz Eipos, vermittelte gegen eine Gebühr von zuletzt 27 600 Euro Interessenten für eine Promotion an meist osteuropäische Universitäten, etwa in Bratislava. Das Angebot war vor allem für Berufstätige gedacht, die nebenberuflich einen Titel als Ph. D. (Philosophiae Doctor) erwerben wollen, darunter auch Absolventen von Fachhochschulen, denen eine Promotion an einer Universität oft versagt bleibt. Von mindestens 121 angenommenen Kandidaten haben es auf diesem Weg bislang 46 der zahlenden Eipos-Kunden zu einem Titel gebracht, bestätigt Institutsgeschäftsführer Uwe Reese. In einer Eipos-Publikation loben zufriedene Kunden den Doktor-Service als "unersetzbare Hilfe" auf dem Weg zum Titel. Das Institut half, ein Thema und einen Betreuer zu finden, und bereitete auf die mündliche Prüfung vor. Weil der TU Dresden im laufenden Rennen um einen Elitetitel bei der Exzellenzinitiative des Bundes die Eipos-Machenschaften unangenehm wurden, zwang die TU Dresden die Doktormacher, ihr Geschäft "bis Ende des Jahres" einzustellen. Sonst, so Hannes Lehmann, Sprecher der TU Dresden, "werden wir uns von unserem Weiterbildungsinstitut Eipos trennen".

DER SPIEGEL 44/2010
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