15.11.2010

KUBAKaribischer Tiger

Präsident Raúl Castro will die marode Wirtschaft der Insel offenbar nach dem Vorbild des südostasiatischen Tigerstaats Vietnam ausrichten. Das zumindest legen Pläne nahe, die von der Regierung in Havanna vergangene Woche beschlossen wurden: Die Wirtschaft soll dezentralisiert, Privatunternehmen sollen gestärkt und Subventionen abgeschafft werden. Die Libreta, das Bezugsbüchlein für rationierte Lebensmittel, würde demnach endgültig verschwinden. Auch den doppelten Wechselkurs für Devisen und einheimische Pesos will die Regierung langfristig aufheben. Doch ähnlich wie in Vietnam wird das sozialistische Herrschaftsmodell nicht angetastet.
Die Reformvorschläge sollen auf dem 6. Kongress der Kommunistischen Partei im April abgesegnet werden. Raúl Castro hatte ihn immer wieder verschoben, vermutlich weil die Regierungsspitze mit seinem Bruder Fidel lange Zeit über den zukünftigen Kurs nicht einig werden konnte. Der einstige Revolutionsführer gilt als Gegner einer Öffnung, deshalb fallen die Reformen auch eher halbherzig aus. Die "Konzentration von Eigentum" soll verboten, der Insel die Planwirtschaft erhalten bleiben. Womöglich kommen die Reformen ohnehin zu spät, denn Kuba ist praktisch bankrott. Junge Kubaner sehen kaum noch eine Perspektive, viele versuchen über Drittländer in die USA zu gelangen. Und die nächste Verarmungswelle zeichnet sich bereits ab: Um den Staatshaushalt zu entlasten, wird die Regierung bis zum März 500 000 Staatsangestellte entlassen. Sie sollen künftig auf eigene Rechnung wirtschaften - ohne Weiterbildung, Kredite und freien Zugang zu Waren.

DER SPIEGEL 46/2010
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