15.11.2010

UNIONEnttäuschung über Putin-Jugend

Vor einer Belastungsprobe steht die Zusammenarbeit der Jungen Union (JU) mit Putin-treuen Jugendorganisationen. Nachdem auf der Website der Jungen Garde - Ableger der Regierungspartei Einiges Russland - wochenlang gegen den Moskauer Journalisten Oleg Kaschin als "Verräter am russischen Volk" gehetzt worden war, der "bestraft werden" müsse, wurde der Reporter Anfang November tatsächlich von Unbekannten brutal zusammengeschlagen. Zwar möchte JU-Chef Philipp Mißfelder "nun nicht gleich jeden Gesprächskontakt" zu den Putin-Jüngern einstellen. Es gebe aber, betont der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, "keine offizielle Parteipartnerschaft, und wir streben sie auch nicht an". Bei den Begegnungen mit Kreml-nahen Jugendorganisationen, erklärt Mißfelder, "müssen wir jedes Mal massiv auf unsere Grundwerte und unser Verständnis von Pressefreiheit hinweisen". Eine Delegation der PutinJugend hatte gerade erst den Deutschlandtag der JU in Potsdam besucht. Zwei Mitglieder der Jungen Garde unterstützten voriges Jahr den Thüringer Bundestagsabgeordneten Manfred Grund beim Wahlkampf. Das Moskauer Büro der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung hatte den Austausch organisiert, damit Jugendliche aus Russland Demokratie lernen können. "Die widerlichen verbalen Attacken gegen den Journalisten Kaschin stellen eine Zusammenarbeit in Frage, die eigentlich wichtig ist", sagt Lars Peter Schmidt, Leiter der Adenauer-Stiftung in Moskau. "Wenn junge Abgeordnete aus Russland mitkriegen, wie offen beim Deutschlandtag der JU diskutiert und auch die Kanzlerin immer mal wieder kritisiert wird, setzt das einen Lernprozess in Gang."

DER SPIEGEL 46/2010
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