14.09.1998

In der Wüste

Am Rande
Alle reden vom Wetter, und Klaus Kinkel tut etwas dagegen. Zum Auftakt der Internationalen Konferenz zur Katastrophenvorbeugung in Potsdam erklärte der deutsche Außenminister, Vorsorge vor Katastrophen sei eine der wesentlichen Aufgaben für politisch Verantwortliche im kommenden Jahrhundert, die ganze Menschheit sitze in einem Boot und teile das gleiche Schicksal. Und wie bei allen Metaphern, die mit "Menschheit" anfangen und mit "Schicksal" enden, rief auch Klaus Kinkel alle Regierungen der Welt auf, "an einem Strang zu ziehen".
Daß der deutsche Außenminister, der als Katastrophenvorbeuger zwischen Kosovo und Palästina keine allzu glückliche Figur gemacht hat, nun zum Kampf gegen Wirbelstürme, Vulkanausbrüche und regionale Konflikte aufruft, hat, wie fast alles im Leben, eine organische Ursache. Die Bundestagswahl steht vor der Tür, und auch für die FDP geht es ums nackte Überleben.
Da die Partei aber weder auf der Unesco-Liste der Weltkulturerbe-Monumente steht noch vom World Wildlife Fund zu den schützenswerten Spezies gezählt wird, wendet der Liberale im Öffentlichen Dienst sich gleich an das Weltgewissen.
Was immer El Niño in Afrika und Asien angerichtet hat, zum wahren GAU käme es erst, wenn die FDP aus dem Bundestag gefegt würde. Die politische Kultur der Republik würde versteppen, und Klaus Kinkel müßte wieder als Jurist arbeiten. Doch auch in diesem Fall wäre noch nicht aller Tage Abend. Das Uno-Sekretariat zur Bekämpfung der Wüstenbildung wird am 1. Januar 1999 seine Arbeit in Bonn aufnehmen. Spätestens dann wird Klaus Kinkels Rat wieder gefragt sein.

DER SPIEGEL 38/1998
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