27.12.2010

ELFENBEINKÜSTE„Roter Nationalist“

Rinaldo Depagne, 45, Westafrika-Experte bei der International Crisis Group in Dakar, über den Konflikt in Abidjan
SPIEGEL: In der Elfenbeinküste brachen vergangene Woche Kämpfe aus, bei denen viele Menschen ums Leben kamen - ein Ende des Konflikts ist nicht in Sicht. Worum geht es?
Depagne: Präsident Laurent Gbagbo allein ist schuld an der Gewalt, weil er sich weigerte, nach der verlorenen Wahl seinen Posten zu räumen.
SPIEGEL: Das Land, französisch: Côte d'Ivoire, ist faktisch in einen Nord-teil unter der Herrschaft einer Rebellentruppe und einen Süden unter Führung Gbagbos geteilt. Sind ethnische oder religiöse Unterschiede der Grund für die Kämpfe?
Depagne: Die Lage ist viel komplizierter. Der Norden ist muslimisch, der Süden eher christlich-animistisch, aber das erklärt die Auseinandersetzung nicht allein. Gbagbo ist ein roter Nationalist. Er mobilisiert seine Anhänger gegen die Uno-Schutztruppen und die ehemalige Kolonialmacht Frankreich. Er hetzt gegen Menschen aus dem Norden: Sie seien keine "echten Ivorer". Aber seine Anhänger lehnen sich auch gegen alte Wirtschaftseliten auf, die in ihren Augen Alassane Ouattarra repräsentiert, der wahre Sieger der Präsidentenwahl.
SPIEGEL: Was muss geschehen, damit es Frieden geben kann?
Depagne: Es war richtig, dass die Uno, die Afrikanische Union, die USA und die Europäische Union Gbagbo mit Sanktionen massiv unter Druck gesetzt haben. Verhandlungen hätten das fatale Signal gesendet: Wahlbetrug lohnt sich. Aber um das Land wirklich zu befrieden, braucht es einen Runden Tisch. Die Gewaltakte der Vergangenheit müssen aufgearbeitet werden. Und es muss darüber beraten werden, wie die Einkünfte aus den Kakao- und Ölexporten gerechter verteilt werden. Nur so kann es gelingen, die Elfenbeinküste wieder regierbar zu machen.

DER SPIEGEL 52/2010
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