03.01.2011

IRANFalsche Diplomaten

Die Entlassung durch Präsident Mahmud Ahmadinedschad Mitte Dezember soll für den iranischen Außenminister Manutschehr Mottaki nicht so überraschend gekommen sein, wie er es darstellte. Sie hatte auch andere Hintergründe als die im Westen vermuteten Meinungsverschiedenheiten zum Atomprogramm: Es ging um geheime Geschäfte der mächtigen Revolutionswächter. Die "Pasdaran" waren 1979 von Ajatollah Ruhollah Chomeini als eine paramilitärische Vereinigung zum Schutz des Regimes gegründet worden; die Organisation lässt nicht nur Oppositionelle niederknüppeln, sondern kontrolliert die lukrativen Stiftungen und gilt mit Anteilen am Erdölgeschäft auch als größter Unternehmer des Landes. Ahmadinedschad hat es bei den Pasdaran zum Kommandeur gebracht, 13 seiner 21 Minister waren bei den Revolutionswächtern, einschließlich des Geheimdienstchefs - Mottaki hat nicht dazugehört. Er sah sich aber in den vergangenen Monaten immer wieder mit dubiosen Aktivitäten der Pasdaran konfrontiert: gefälschten Diplomatenpässen, Drogenkurieren, illegalen Waffenlieferungen.
Ende Oktober beschlagnahmte die nigerianische Polizei in 13 Schiffscontainern, deren Inhalt als "Baumaterial" deklariert war, Raketenwerfer, Granaten und Maschinengewehre. Die Waffen waren offensichtlich für islamistische Rebellen bestimmt. Die Behörden in Abuja waren sich bald sicher, dass zwei Iraner mit Diplomatenausweisen den Weg der illegalen Fracht überwacht hatten: Beide flohen vorübergehend in die dortige iranische Botschaft. Dem eigens eingeflogenen Außenminister Mottaki gelang es, einen von ihnen loszueisen und in die Heimat mitzunehmen. Der andere, Asim Aghadschani, packte nach SPIEGEL-Informationen aus und verriet geplante Aktionen und die genaue Vorgehensweise - Dutzende Revolutionswächter hatten demnach an Mottakis Ministerium vorbei Diplomatenpapiere erhalten.
Geheimdienstexperten vermuten, dass Mottaki sich in aller Form bei Ahmadinedschad über die peinlichen Vorgänge beschwert hat. Die Fronten blieben offensichtlich ungeklärt, bis der Außenminister im Dezember eine lange geplante Reise in den Senegal antrat. Kaum in Dakar angekommen, erfuhr er aus der Heimat von seiner Entlassung. Mottaki nannte den Rausschmiss während einer Auslandsmission "unislamisch" - der denkbar härteste Vorwurf.

DER SPIEGEL 1/2011
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