03.01.2011

KUNSTMARKT„Schlendern im Sessel“

Die New Yorker Galeristin Jane Cohan, 49, über die erste virtuelle Kunstmesse, die vom 22. bis 30. Januar im Internet stattfindet
SPIEGEL: Ms. Cohan, Sie haben die virtuelle Kunstmesse VIP Art Fair gegründet. Wozu braucht man eine Messe, die es nur im Internet gibt?
Cohan: Der weltweite Reichtum hat zugenommen. Es gibt immer mehr Kunstsammler, die über die ganze Welt verstreut sind. Viele haben gar nicht die Zeit, auf die traditionellen Messen zu fahren.
SPIEGEL: Wie haben Sie es geschafft, renommierte Galerien wie die Gagosian Gallery, Max Hetzler oder White Cube von Ihrem Projekt zu überzeugen?
Cohan: Ein Stand auf unserer Internet-Messe kostet mit 20 000 Dollar nur ein Fünftel dessen, was für einen Stand auf einer herkömmlichen Kunstmesse anfällt. Die Galerien suchten schon lange eine angemessene Plattform, um im Internet mit Kunst zu handeln. Außerdem entfällt der teure und gefährliche Transport.
SPIEGEL: Müssen die Besucher Eintritt zahlen?
Cohan: Nur schauen ist umsonst. Für interaktive Anwendungen zahlt man mindestens 20 Dollar. Man braucht eine schnelle Netzverbindung und muss sich registrieren lassen. Jede Galerie hat einen Stand, in dem 20 Kunstwerke virtuell an den Wänden hängen. Jeder kann von Galerie zu Galerie schlendern, sich die Arbeiten ansehen - zu Hause im Sessel.
SPIEGEL: Aber das ersetzt doch nicht das sinnliche Erlebnis, persönlich vor einem Kunstwerk zu stehen?
Cohan: Ich denke, doch. Das zeigt der Erfolg der Portale großer Auktionshäuser, bei denen viele Bieter über das Internet mitsteigern. Außerdem haben wir die Galeriestände so konzipiert, dass man die Größenverhältnisse gut erkennen kann. Auch die Auflösung der Ansichten, die wir von den Kunstwerken zeigen, ist außergewöhnlich hoch.
SPIEGEL: Sammler treffen sich auf traditionellen Messen gern zum persönlichen Austausch. Im Internet fehlt diese soziale Komponente.
Cohan: Nein, es wird auch eine Seite mit Videos geben, in denen Kunstliebhaber einen Einblick in ihre Sammlung geben. Wir werden viele Möglichkeiten zum persönlichen Austausch bieten.

DER SPIEGEL 1/2011
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