17.01.2011

LINKSPARTEI„Brutale Gewalt“

Historiker Heinrich August Winkler, 72, über den Kommunismus
SPIEGEL: Die Chefin der Partei Die Linke, Gesine Lötzsch, hat den Kommunismus indirekt als erstrebenswertes Ziel bezeichnet. Das sei eine "uralte Idee, die die Sehnsucht nach einer gerechten Gesellschaft ausdrückt".
Winkler: Die Sehnsucht der Kommunisten war es immer, einen neuen Menschen hervorzubringen. Um dieses Zieles willen mussten sie den ganzen Menschen für sich in Anspruch nehmen. Das gelang nur mit brutaler Gewalt.
SPIEGEL: In China und dem Sowjetimperium sind der kommunistischen Utopie Millionen zum Opfer gefallen. Endet der Weg zum Kommunismus zwangsläufig im Terror?
Winkler: Da gibt es eine zumindest innere Logik. Schon Karl Marx hat die Gewaltenteilung als bürgerliche Ideologie denunziert. Von dort führte der Weg zu einer unbeschränkten Machtkonzentration bei einer selbsternannten Elite, der von Lenin als solche bezeichneten Avantgarde der Unterdrückten. Niemand konnte diese dann mehr von dem Versuch abhalten, die Utopie zu verwirklichen.
SPIEGEL: Die aus der SED hervorgegangene Linke behauptet, sich wie keine andere Partei kritisch mit der eigenen Geschichte auseinandergesetzt zu haben.
Winkler: Davon kann nicht die Rede sein. Zwar haben Die Linke und ihre Vorgängerpartei, die PDS, dem Stalinismus eine Absage erteilt, aber sie haben sich nie wirklich von Lenin verabschiedet. Und es war Lenin, der die Weichen in Richtung einer terroristischen Gewaltherrschaft gestellt hat.
SPIEGEL: Glauben Sie, dass die kommunistische Utopie noch einmal größeren Zulauf erfahren wird?
Winkler: Nein. Das dafür nötige Maß an Geschichtsverdrängung traue ich nur einer verschwindend kleinen Minderheit zu.

DER SPIEGEL 3/2011
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