07.02.2011

FUSSBALL„Sie nannten mich Tussi“

Fatmire „Lira“ Bajramaj, 22, deutsche Nationalspielerin, über ihre Vermarktung vor der Weltmeisterschaft in Deutschland
SPIEGEL: Fünf Monate vor Beginn der WM sind Sie die gefragteste Werbefigur des deutschen Teams. Kommen Sie überhaupt noch zum Trainieren?
Bajramaj: Ich habe täglich bis zu drei Termine, die nichts mit Fußballspielen zu tun haben: Fotoshootings, Interviews und Werbeevents. Kürzlich war ich mit einer Hilfsorganisation in Tansania, dann zu Filmaufnahmen in Südafrika. Alle wollen gerade etwas von der Lira.
SPIEGEL: Wie erklären Sie sich das?
Bajramaj: Das liegt wohl an meiner Persönlichkeit und meinem Lebensweg. Ich bin eben anders: offen, ein bisschen ausgeflippt, dazu Migrantin und die erste Muslimin im Nationalteam. Da werden die Menschen hellhörig und denken: Krass, die spielt Fußball?
SPIEGEL: Sie legen nach eigener Aussage großen Wert auf Ihr Äußeres. Muss eine Fußballerin, die sich erfolgreich vermarktet, schön sein?
Bajramaj: Als ich ins Nationalteam kam, nannten mich manche Tussi, weil ich vor dem Training Lippenstift benutze. Mir ist das wichtig. Sponsoren schauen nicht nur auf das Talent.
SPIEGEL: Ihre sportlich erfolgreichste Mitspielerin Birgit Prinz, dreimal Weltfußballerin, meidet die Öffentlichkeit, wann immer sie kann. Wäre Ihnen das zu langweilig?
Bajramaj: Präsenz zu zeigen gehört im modernen Sport dazu. Für den Frauenfußball zu werben macht mir Spaß - und die Zeit war nie besser als vor der WM im eigenen Land. Deswegen bringe ich mit meinem Ausrüster bald eine eigene Marke heraus. Sie steht für Sport und Integration und soll junge Mädchen zum Fußball bringen.
SPIEGEL: Leidet Ihre sportliche Leistung unter diesem Engagement?
Bajramaj: Nein. Das Fußballspielen steht für mich immer an erster Stelle. Wenn im April die Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft losgeht, gibt es für mich auch keine Termine mehr neben dem Platz.

DER SPIEGEL 6/2011
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