20.04.1998

GESTORBENFranz Josef Wild

75. Seine Karriere begann er 1945 als Schauspieler an den Münchner Kammerspielen, er wechselte aber bald ins Regiefach. Präziser Intonation und Artikulation blieb Wild auch als Chef der Abteilung Fernsehspiel beim Bayerischen Rundfunk treu. Als Oberspielleiter - so die vom Theater entlehnte Berufsbezeichnung - betreute er für den Münchner Sender in drei Jahrzehnten (bis 1987) über 200 Produktionen, etwa die Hälfte davon inszenierte er selbst. Seine Arbeit verstand der Fernsehmann durchaus als aufklärerisch. Besonders den Zuschauern, die "vor der Reizüberflutung in die Isolation" geflüchtet seien, wollte er in ausgewählten literarischen und dramatischen Stoffen "Erkenntnisvorgänge ermöglichen". Gelesene Worte in Phantasie umzusetzen sei nicht jedem möglich, erklärte Wild in einem Interview, es gebe aber eine Sprache, die jeder Mensch lesen könne: "die des menschlichen Gesichts". Franz Josef Wild starb am Karfreitag in München.

DER SPIEGEL 17/1998
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