11.05.1998

GESTORBENTheodor Oberländer

93. Seine braune Vergangenheit war bestens bekannt. Daß er Mitglied der NSDAP seit 1933 und Reichsführer des völkischen "Bundes Deutscher Osten" war, störte in der jungen Bundesrepublik erst, als dem Vertriebenenminister Konrad Adenauers Kriegsverbrechen an Juden und Widerständlern in der Ukraine vorgeworfen wurden. Der CDU-Politiker trat 1960, nach siebenjähriger Amtszeit, zurück. Während ein DDR-Gericht den früheren Wehrmachtsoffizier in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilte, stellte die Staatsanwaltschaft Bonn ein paralleles Verfahren "wegen fehlenden Tatverdachts" ein. Fortan kämpfte Oberländer in rund 80 Verleumdungsprozessen, die er fast alle gewann, um seine Rehabilitierung. Er schien sie erreicht zu haben, als 1993 die Berliner Justiz das DDR-Urteil als "rechtsstaatswidrig" aufhob. Doch drei Jahre später eröffneten Kölner Staatsanwälte ein neuerliches Ermittlungsverfahren. Es stand offenbar kurz vor der Einstellung. Theodor Oberländer starb vergangenen Montag in Bonn.

DER SPIEGEL 20/1998
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GESTORBEN:
Theodor Oberländer

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