01.06.1998

GESTORBENErnst Heinitz

96. Von allen Auszeichnungen, die der Berliner Jurist erhalten hat, war ihm die unbekannteste die liebste: die Ehrenmitgliedschaft der Gefangenenzeitung "Lichtblick", mit der sein Engagement für Häftlinge gewürdigt wurde. Politisch nicht immer bequem, verteidigte er die RAF-Terroristin Gudrun Ensslin im Frankfurter "Kaufhausbrand"-Prozeß; er war es aber auch, der als Rektor 1963 den amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy zum Ehrenbürger der Freien Universität Berlin ernannte. Von den Nazis wegen seines jüdischen Vaters als Vorsitzender des Berliner Arbeitsgerichts entlassen, emigrierte der entschiedene Humanist nach Italien, arbeitete im Widerstand und nahm nach Kriegsende eine Rechtsprofessur in Erlangen an. Von 1952 bis 1970 lehrte er in West-Berlin, war Dekan, Rektor, Strafrichter und langjähriger Senatspräsident des Kammergerichts. Ernst Heinitz starb am 11. Mai.

DER SPIEGEL 23/1998
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