23.04.2011

GROSSBRITANNIENFront gegen Brown

Tory-Premier David Cameron will seinem Vorgänger Gordon Brown, 60, den nächsten Job verwehren. Der macht sich Hoffnungen auf den Chefposten beim Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington. Seit der Bankenkrise gilt Brown zwar in vielen Hauptstädten als kompetenter Globalstratege - doch ausgerechnet in London trifft der Labour-Politiker auf massive Gegenwehr. Das Amt verlange nach jemandem, der wisse, wie gefährlich "überbordende Schulden und ein ausuferndes Haushaltsdefizit" sind, so Cameron in einem BBC-Interview. Brown aber habe die Schuldenkrise Großbritanniens zu verantworten und sei daher nicht der geeignete Mann für den IWF.
Hinter der Polemik steckt Kalkül: Cameron betreibt eine sehr rigide Sparpolitik, die Brown als überzogene Wachstumsbremse kritisiert. Mit der Blockade von Browns Kandidatur will Cameron verhindern, dass sein Widersacher ihn von der Kanzel des IWF herab maßregeln könnte.
Öffentlich plädiert der Premier dafür, der IWF-Chef solle künftig nicht wie bisher üblich aus Europa, sondern aus aufstrebenden Wirtschaftsmächten wie China oder Indien rekrutiert werden. Inoffiziell aber haben sich die Briten bereits auf eine weitere europäische Lösung verständigt: Die französische Finanzministerin Christine Lagarde, 55, die in der Bankenkrise ebenfalls eine gute Figur machte, soll auf ihren Landsmann Dominique Strauss-Kahn, 61, folgen. Der scheint entschlossen, den IWF-Job noch dieses Jahr vorzeitig aufzugeben, um bei den französischen Präsidentschaftswahlen 2012 für die Sozialisten gegen Amtsinhaber Nicolas Sarkozy anzutreten.

DER SPIEGEL 17/2011
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