23.02.1998

INQUISITIONGeheimakte Heine

Zu den wenigen deutschen Schriftstellern, deren Werke von der römischen Inquisition auf den Index der verbotenen Bücher gesetzt wurden, gehört Heinrich Heine. Dessen "Reisebilder"-Lektüre war ab 1836 jedem Katholiken strikt verboten - bei Verlust des Seelenheils. Schon vor der offiziellen Öffnung des römischen Inquisitionsarchivs war es dem Frankfurter Kirchenhistoriker Hubert Wolf gelungen, die Bestände zum Fall Heine einzusehen. Gemeinsam mit dem Literaturwissenschaftler Wolfgang Schopf veröffentlicht er nun im Patmos-Verlag die vatikanischen Geheimakten unter dem Titel "Die Macht der Zensur - Heinrich Heine auf dem Index".
Danach wurde Heine im Vatikan nicht nur zur Unperson wegen seiner "schrecklichen Lästerungen" und wegen "gottloser Verspottung" aller heiligen Dinge. Die entscheidende Spur führt nach Wien. Es war - nach Aktenlage - der österreichische Staatskanzler Fürst Metternich, der mit dem Wiener Botschafter des Vatikans über Heine herzog und ihn so ins Visier der Inquisition brachte. Heines Schriften erschienen Metternich und Papst Gregor XVI. als politische Bedrohung. Beide plagte die Angst vor einer neuen europaweiten Revolution. Deshalb wird Heine in den Akten verurteilt als der "Anführer einer Sekte, die das ,Junge Deutschland' heißt", und dessen "teuflisches Vorhaben" es sei, "die Völker zur Revolution aufzureizen".

DER SPIEGEL 9/1998
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