23.02.1998

FUSSBALL-ÜBERTRAGUNGENStrafstoß gegen den DFB

Seit 1965 verkauft der Deutsche Fußball-Bund (DFB) für die Bundesligaclubs die Rechte an Fernsehübertragungen. Diese zentrale TV-Vermarktung ist nach Ansicht des Bundeskartellamts unzulässig: Es gehe dem DFB als alleinigem Anbieter nur darum, "mehr Geld herauszuholen und das Angebot zu steuern", sagt Horst Nölkensmeier, der beim Kartellamt die für diesen Bereich zuständige 6. Beschlußabteilung leitet. Er verweist auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs vom Dezember vergangenen Jahres, das dem DFB den exklusiven Verkauf von TV-Rechten bei Europacup-Heimspielen untersagte. Auch bei Bundesliga-Spielen, so die Wettbewerbsbehörde, habe der DFB ein unzulässiges Kartell gebildet; um die Übertragungsrechte solle sich jeder Verein selbst kümmern.
Falls DFB-Präsident Egidius Braun nicht einlenke, droht Nölkensmeier, werde sein Amt die zentrale Vermarktung untersagen. Allerdings hat der Fußballverband einen mächtigen Verbündeten: Das Bundeskanzleramt, aber auch der Bundesrat - für Mediengesetze sind die Länder zuständig - wollen den Sport noch vor der Bundestagswahl als Ausnahmeregelung aus dem Kartellrecht herausnehmen.
Die Berliner hoffen daher auf Hilfe aus Brüssel. EU-Kommissar Karel van Miert, Chef der Brüsseler Wettbewerbsbehörde, erklärt, daß er einen deutschen Alleingang nicht hinnehmen werde: Eine Ausnahmeregelung nach deutschem Recht habe "keine Bindungswirkung für die Anwendung des EU-Wettbewerbsrechts". DFB-Freund Kurt Beck, Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und Chef der Rundfunkkommission - sie koordiniert die Medienpolitik der Länder - bleibt bei seiner Linie: Die deutsche Bundesliga sei eine nationale Angelegenheit, um die sich die EU nur kümmern dürfe, wenn der europäische Wettbewerb betroffen sei.

DER SPIEGEL 9/1998
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