23.02.1998

STEUERNDer Immobilien-Trick

Die Möglichkeiten, legal die Einkommensteuer zu drücken, werden seltener. Zweistellige Verlustzuweisungen bei Schiffsbeteiligungen gibt es bald nicht mehr, hohe Sonderabschreibungen in Ostdeutschland gelten nur noch für die Altbau-Sanierung. Doch die Abschreibungsbranche hat einen Ersatz gefunden: geschlossene Immobilienfonds im Ausland. Denn ausländische Mieteinnahmen werden - wegen entsprechender Doppelbesteuerungsabkommen - hierzulande nicht oder nur geringfügig belastet. Mieteinnahmen sind in dem Land zu versteuern, in dem sie erzielt werden.
Da ein deutscher Anleger in einem anderen Staat in der Regel keine weiteren Einkünfte hat, begnügt sich der ausländische Fiskus, wenn überhaupt, mit einer verhältnismäßig kleinen Abgabe. Das deutsche Finanzamt kann sich dank einer komplizierten Regelung, dem "Progressionsvorbehalt", nur einen geringen Teil der ausländischen Einkünfte holen. Wenn sich beispielsweise ein deutsches Ehepaar mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 150 000 Mark mit 100 000 Dollar an einem amerikanischen Gewerbeobjekt beteiligt und eine jährliche Ausschüttung von acht Prozent erhält, sind diese 8000 Dollar in den USA steuerfrei; in Deutschland gehen wegen des "Progressionsvorbehalts" gut 1100 Mark ans Finanzamt.
Bei einer Beteiligung an einem deutschen Immobilienfonds - gleicher Anlagebetrag, gleiche Ausschüttung - würde in diesem Fall das Finanzamt rund 4000 Mark kassieren. Deutschlands größter Anbieter von geschlossenen Fonds, die Immobilien Beteiligungs- und Vertriebsgesellschaft (IBV), will in diesem Jahr fünf Fonds in den USA, den Niederlanden und Großbritannien mit einem Volumen von rund 700 Millionen Mark auflegen. IBV-Geschäftsführer Martin Raßfeld beobachtete auch bei der Konkurrenz einen "spürbaren Anstieg" dieser Steuersparmodelle.

DER SPIEGEL 9/1998
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