23.02.1998

UNOEntwicklungshilfe versiegt

Die Hilfszahlungen der Industrieländer an die Dritte Welt sind auf einen historischen Tiefpunkt abgesackt. Nach einem Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung seien 1996 nur noch 55 Milliarden Dollar zusammengekommen - lediglich ein Viertelprozent des Bruttosozialprodukts der Geberstaaten. Dies ist der niedrigste Wert seit drei Jahrzehnten. Wenn die Spendenbereitschaft weiter in diesem Tempo abnehme, werde es im Jahr 2012 keinerlei Entwicklungshilfe mehr geben, warnte die Direktorin des Kinderhilfswerks Unicef, Carol Bellamy - obwohl schon jetzt eine Milliarde Menschen mit nur einem Dollar täglich ihr Leben fristen müssen. Hätten die Uno-Hilfswerke genügend Finanzmittel, könnten zum Beispiel jährlich zwölf Millionen Kinder vor dem Tod durch leicht vermeidbare Krankheiten bewahrt werden. Zunehmend jedoch vergeben reiche Staaten, auch Deutschland, ihre Hilfe allein mit Blick auf den eigenen Vorteil - an Länder, von denen sie sich Exportaufträge versprechen. Nur Dänemark, Schweden, Norwegen und die Niederlande halten sich an das in den siebziger Jahren aufgestellte Ziel - und zahlen 0,7 Prozent ihres Bruttosozialprodukts als Entwicklungshilfe.

DER SPIEGEL 9/1998
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