23.02.1998

SCHAUSPIELERDrill in Hollywood

Demi Moore ist der meistgehaßte Filmstar Amerikas. Seit Jahren überziehen die Medien sie mit Häme. Sie sei vulgär, verbissen, lasse Charisma wie Charme vermissen: ein talentfreies Starlet. Das sah Madame Demi, 35, vermutlich gelassen, solange sie die bestbezahlte Schauspielerin der Filmgeschichte (12,5 Millionen Dollar für "Striptease") war. Dann schien es aber kurzfristig so, als gerate ihre Karriere wirklich ins Wanken. "Die Akte Jane", ein feministisch angehauchtes Militärdrama, in dem Moore die erste Rekrutin einer Macho-Elitetruppe der Marine spielt, lief letztes Jahr erst mit großer Verspätung in Amerika an (Deutschlandstart in dieser Woche). Der heftig dementierte Grund: Die Disney-Manager befürchteten, daß "kein Mensch mehr Demi Moore sehen" wolle. In einem klassischen Akt der Vorwärtsverteidigung spornte sich der Verleih schließlich mit dem Werbeslogan an: "Failure is not an option" - versagt wird nicht. Tatsächlich schlug sich der Film an den amerikanischen Kinokassen passabel, Moores immenser Ehrgeiz und Wille zur Selbstkasteiung hatten sich zumindest kommerziell gelohnt. Die Geschichte der muskelbepackten, fast kahl geschorenen Soldatin in "Die Akte Jane" (Regie: Ridley Scott), die sich den sadistischen Quälereien der Ausbilder unterwirft, um im Militär aufzusteigen, ist nichts anderes als eine Metapher für Moores Weg in Hollywood. Daß sie zeigt, daß hinter Glamour Mühe steckt, ist genau das, was ihr die Medien ankreiden. Ein Star muß strahlen, nicht schwitzen. Demi Moore aber ist eine proletarische Heldin der Arbeit. Immerhin, in "Die Akte Jane" setzt sie sich durch - mit dem wüsten Spruch "Suck my dick".

DER SPIEGEL 9/1998
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