23.02.1998

RückspiegelZitat

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Daimler-Benz, Edzard Reuter, in seinem Buch "Schein und Wirklichkeit" über den SPIEGEL-Titel "Daimler Benz - Die neue deutsche Rüstungsmacht" (Nr. 31/1988):
Seinen Kommentar zu einem im Frühjahr 1988 mit mir geführten Gespräch überschrieb der SPIEGEL mit der Frage: "Übernimmt sich der Riese?"... Im August folgte eine Titelgeschichte desselben Magazins, die den "Rüstungsriesen Daimler-Benz" als "Waffenschmiede der Nation" bezeichnete und "die neue deutsche Rüstungsmacht" ausgemacht haben wollte. Dieses Mal stand zudem die (angebliche) Sorge um unser Automobilgeschäft im Vordergrund, das unter einem solchen Image leiden müsse. Geschmückt mit einem Bild, das an den "Mercedes-Freund Hitler" erinnerte, war die Rede von dem "Verdacht, das Unternehmen wolle, nach gut vierzig Jahren Schonfrist, dort wieder anknüpfen, wo es durch den alliierten Sieg über den Faschismus gestoppt wurde", um mir schließlich zu prophezeien, ich würde mich "verkalkulieren", wenn ich davon ausginge, "nach einiger Zeit (werde) die Übernahme von MBB als selbstverständlich hingenommen"... Das alles verband das Magazin mit der Warnung, wenn sich als Folge der kürzlich vorgelegten Angebote der UdSSR "das Rüstungsgewerbe (als) schrumpfende Branche" erweisen sollte, "hätten Herrhausen und Reuter ihre Milliarden in die falschen Unternehmen gesteckt"; dann könnten "die Daten, mit denen die Daimler-Generäle zuletzt noch ihr Rüstungsreich planten, bald Makulatur sein". Diese Polemik, später noch ergänzt durch die unsinnige Dramatisierung, unser Konzern werde durch seine schiere Größe zu einer Gefahr für die marktwirtschaftliche Ordnung der Bundesrepublik, hat mich tief getroffen, zeigte sie mir doch, daß man vor nichts zurückschreckte, wenn es darum ging, die eigene Auflage zu steigern.

DER SPIEGEL 9/1998
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 9/1998
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

Rückspiegel:
Zitat

  • Doku zu cholesterinreicher Ernährung: Fett for Fun
  • Freizeitpark im Schwarzwald: Karussell ähnelt Hakenkreuzen
  • "Uber Boat": In Cambridge kommt der Kahn per App
  • Archäologie: Jahrtausendealtes Wandrelief in Peru entdeckt