20.04.1998

WÄHRUNG„Dollar bei 1,60“

Thomas Mayer, 44, Europa-Chefvolkswirt bei der Investmentbank Goldman Sachs, über die Zukunft des US-Dollar
SPIEGEL: In den vergangenen Tagen ist der Dollar nach längerem Höhenflug auf 1,80 Mark gesunken. Wohin geht die Reise?
Mayer: Wir befinden uns auf dem richtigen Weg. Mittelfristig, also in etwa zwölf Monaten, sehen wir den Dollar bei 1,60 Mark.
SPIEGEL: Was ist der Grund?
Mayer: Euro-Land befindet sich in einem beachtlichen Aufschwung. Deshalb müssen die Zinsen in den Euro-Kernländern Deutschland und Frankreich demnächst angehoben werden. Die zunehmende Zinsspekulation führt dazu, daß sich die Mark jetzt gegenüber dem Dollar erholt.
SPIEGEL: Reichen höhere Zinsen in Deutschland allein aus, um den Dollar auf Talfahrt zu schicken?
Mayer: Es gibt noch einen zweiten Grund: In Deutschland haben wir eine ausgeglichene Leistungsbilanz. Die elf Euro-Staaten kommen zusammen aber auf einen sehr hohen und beständigen Leistungsbilanzüberschuß, den wir in diesem und im kommenden Jahr auf rund 133 Milliarden US-Dollar schätzen. Dem gegenüber steht ein sehr hohes und steigendes Leistungsbilanzdefizit von mehr als 200 Milliarden Dollar in den USA. Dieses internationale Ungleichgewicht wird sich in absehbarer Zeit auf den Wechselkurs niederschlagen.

DER SPIEGEL 17/1998
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