22.06.1998

BUNDESKANZLERTausch geplatzt

Helmut Kohl war 1996 offenbar bereit, seinen Platz im Kanzleramt an Wolfgang Schäuble abzutreten. In mehreren streng vertraulichen Gesprächen der CDU-Spitze, berichten führende Unionspolitiker heute, sei der Wechsel damals konkret abgesprochen worden.
Bereits 1996 zeichnete sich ab, daß der Kanzler den Zenit seiner Popularität überschritten hatte. Daß Kohl 1998 noch einmal gewählt werden könnte, hielten die Christdemokraten deshalb für äußerst unwahrscheinlich. Ähnlich skeptisch wurden freilich die Wahlchancen seines potentiellen Nachfolgers Schäuble bewertet. Nur wenn der seine Kanzlertauglichkeit zuvor unter Beweis stellen könne, so die CDU-Strategen, habe er 1998 eine Siegchance.
Doch der abgesprochene Amtswechsel platzte, weil die Koalitions-Partner rebellierten. "Vorbehalte in der FDP" und "massiver Widerstand der CSU", so ein CDU-Regierungsmitglied, verhinderten damals eine Amtsübernahme Schäubles.
Spätere Versuche, den Dauerkanzler gegen einen frischen Regenten auszuwechseln, scheiterten nicht erst an der CSU, sondern stets schon im Vorfeld an Kohl: Im Meinungstief wollte der Geschichtsbewußte auf keinen Fall abtreten. So habe er auch vom letzten Vorschlag nichts wissen wollen: Amtsverzicht am Tag nach dem Euro-Beschluß.

DER SPIEGEL 26/1998
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