04.07.2011

EHEC„Wir sind auf null“

Norbert Deiters, 63, Chef des Hamburger Sprossenherstellers Deiters & Florin, über die Auswirkungen der Ehec-Krise auf seine Branche
SPIEGEL: Wie läuft das Sprossengeschäft?
Deiters: Gar nicht, wir sind auf null mit dem Absatz frischer Ware und warten auf eine Entwarnung. Mungobohnen beispielsweise standen nie unter Ehec-Verdacht und machen bei den meisten Herstellern 40 bis 50 Prozent des Absatzes aus. Sie werden trotzdem nicht freigegeben. Das ist, als dürften überhaupt keine Autos mehr verkauft werden, weil eine einzelne Marke Probleme mit den Bremsen hat.
SPIEGEL: Derzeit sprechen die Indizien dafür, dass Samen von Bockshornklee aus Ägypten verantwortlich für die Ehec-Ausbrüche in Deutschland und Frankreich sind …
Deiters: Ja, und diese Keimsorte macht gerade einmal ein Viertelprozent am Gesamtumsatz aller Sprossensorten in Deutschland aus. Wir hatten vor Jahren Kontakt mit Lieferanten aus Ägypten und Indien, aber das schien uns nicht ausreichend abgesichert.
SPIEGEL: Das bedeutet, dass diese Länder als dubiose Quellen für Saatgut gelten?
Deiters: Ich wäre mit solchen Vorverurteilungen vorsichtig. Auch China ist anfänglich sehr ins Gerede gekommen - zu Unrecht, wie ich meine: Beim optischen wie mikrobiellen Reinheitszustand können sich europäische und auch amerikanische Lieferanten von den Chinesen eine Scheibe abschneiden.
SPIEGEL: Ist es denkbar, dass einzelne Säcke einer Samenlieferung kontaminiert sind und andere nicht?
Deiters: Das kann man nicht ausschließen. Aber egal ob Bohnen, Erbsen oder Bockshornklee: Die Pflanzen stehen zunächst mal einzeln auf dem Acker; dann kommen die Erntemaschinen, und die Ernte geht lose auf einen Anhänger. Es ist kaum vorstellbar, dass da nur fünf Körner kontaminiert sind und unter sich bleiben.
SPIEGEL: Gibt es Sprossensorten, auf die Sie aus Sicherheitsgründen verzichten?
Deiters: Ja, Rote-Beete-Sprossen werden oft angefragt, aber die Oberfläche des Saatguts ist zu kraterhaft, die kann man kaum waschen.

DER SPIEGEL 27/2011
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