07.09.1998

MINISTERIENÜble Gerüche

Ein sechs Jahre alter Umzugsbeschluß von Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer (CSU) beschäftigt noch immer Gerichte. Weil Mitarbeiter üble Gerüche in einigen Büros beklagten, hatte Seehofer 1992 den Mietvertrag für seinen damaligen Amtssitz fristlos gekündigt - wegen "erheblicher Gefährdung der Gesundheit" seines Personals. Seither prozessiert ein rheinischer Mittelständler um etliche Millionen Mark entgangener Mieteinnahmen.
Dabei wurde bekannt, daß schon vor der Kündigung Gutachten vorlagen, wonach die Gerüche "nicht gesundheitsschädigend" seien und lediglich einige Räume saniert werden müßten. In einem internen Vermerk hatten Hausjuristen den Minister deshalb gewarnt: Halte ein Gericht später die Kündigung - mangels Gesundheitsrisiko - für "unbegründet", drohe "beträchtlicher Schaden".
Die Seehofer-Ministerialen wurden gleichwohl umgesiedelt: aus dem bürgerlichen Bad Godesberg ausgerechnet in ein Schmuddelviertel Bonns samt Straßenstrich und Müllverbrennungsanlage.

DER SPIEGEL 37/1998
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