21.09.1998

ASTROLOGIEDas Horoskop als Waffe

Auf der Suche nach verläßlichen Ratgebern landen die großen Lenker und Denker immer wieder beim Astrologen. Das war beim ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan kaum anders als zu Martin Luthers Zeiten. Der wurde gleich mit einer Vielzahl von Horoskopen eingedeckt, ganz nach Interessenlage der Auftraggeber: Um einer weitverbreiteten Wahrsagerei entgegenzutreten, Luther sei der neue Messias, verpaßte ihm ein päpstlicher Astrologe ein Horoskop, das ihn als Antichrist ausweisen sollte - ein klarer Fall von Astro-Mobbing. Die Protestanten, allen voran Luthers Weggefährte Melanchthon, bogen dessen Sternendaten so zurecht, daß er als guter Mensch und leuchtendes Vorbild dastand. Als Gegenpart wurde Faust aufgebaut - als Inbegriff jenes Astrologen, der mit den Mächten des Bösen paktierte. Das Welt- und vor allem Sternbild von Luther, Melanchthon, Faust und Zeitgenossen zeigt die Ausstellung "Astrologie der Reformationszeit", die am Freitag dieser Woche im Faust-Museum in Knittlingen bei Karlsruhe eröffnet wird (bis 31. Dezember). Jürgen Hoppmann, 41, selbst Astrologe, hat dafür zahlreiche Exponate astrologischer Kunst des 16. Jahrhunderts, alte Bücher und astronomische Gegenstände zusammengetragen - etwa "Astrolabien", drehbare Sternscheiben, wie sie arabische Astrologen gebrauchten.

DER SPIEGEL 39/1998
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ASTROLOGIE:
Das Horoskop als Waffe