23.11.1998

PRESSEVerkauft Kirch Springer-Anteile?

Erstmals ist ein Teilverkauf der Springer-Aktien von Leo Kirch nicht mehr ausgeschlossen. Seit 1985 hatte sich der Münchner Filmhändler in mehreren Etappen beim Axel Springer Verlag eingekauft; derzeit hält er dort 40 Prozent im Gesamtwert von 1,7 Milliarden Mark. Inzwischen aber drücken ihn finanzielle Verpflichtungen; bis zum Jahresende muß er etwa dem Unternehmen Canal plus 800 Millionen Mark für Anteile am Pay-TV-Sender Premiere zahlen.
Seit Frühsommer erwägt die Essener WAZ-Gruppe, dem Springer-Großaktionär Anteile abzukaufen. Dabei geht es um 25 bis 30 Prozent am Springer-Kapital. Erste Gespräche zwischen WAZ-Management und einem Kirch-Emissär haben stattgefunden. WAZ-Geschäftsführer Günther Grotkamp, der ein gutes Verhältnis zu Kirch hat, will weder bestätigen noch dementieren: "Ich will Spekulationen keine Nahrung geben."
Auch Bertelsmann wurden Springer-Anteile inoffiziell angeboten, bestätigt ein Top-Manager des Gütersloher Konzerns. Die Kirch-Gruppe selbst erklärt, es würden "keine Verhandlungen geführt". Fest steht: Der Unterhändler, der Wiener Kommerzialrat Hans Wewalka, war auch in diesem Fall aktiv. Ihm sei es nur um die Vermittlung zwischen den Konzernen gegangen, sagt er, nicht aber um Springer-Anteile.
Springer-Vorstandschef August Fischer favorisiert für den Fall eines Aktienverkaufs durch Kirch eine breite Streuung an der Börse über Kleinaktionäre. Einen solchen Plan entwickelte die Deutsche Bank, die als Sicherheit für einen Milliardenkredit an Kirch dessen Springer-Paket hält. Bei Vorstandschef Rolf Breuer erkundigte sich Verlegerin Friede Springer (50,1 Prozent) bereits nach den Plänen der Bank. 1996 hatte sie erklärt, Kirch habe "keine Chance", die Verlagsmehrheit zu erwerben.

DER SPIEGEL 48/1998
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