23.11.1998

I. DAS JAHRHUNDERT DER IMPERIEN: 3. Der Islam„Räumt unser heiliges Land“

Wie steht es an der Wende zum Jahr 2000 mit der Sehnsucht der Islamisten nach einer Wiederherstellung der imperialen Größe des Islam? Ein in den westlichen Medien prominent gewordener Islamist erläuterte seine Vision so: "Die wichtigste Erfahrung, die wir Muslime im Afghanistan-Krieg gemacht haben, bestand darin, daß wir eine Weltmacht zu Fall bringen konnten."
Das sagte der ausgebürgerte saudiarabische Multimillionär Ussama Ibn Ladin, der seinen "fundamentalistischen" Bart augenfällig zur Schau stellt, im März 1997 dem CNN-Reporter Peter Arnett. Dieser hatte es geschafft, den Mäzen eines islamisch legitimierten Terrorismus in den afghanischen Bergen aufzustöbern. Ibn Ladin finanziert mit seinen Millionen gewalttätige Aktionen von Islamisten, weil er darin die Vorarbeit zur Errichtung einer "Weltmacht Islam" sieht.
Während des Afghanistan-Krieges hatte Ibn Ladin islamische Mudschahidin (Gotteskämpfer) in ihrem Kampf gegen die gottlosen Kommunisten der damaligen sowjetischen Besatzungsmacht gefördert. Er war zu jener Zeit eine zentrale Figur des islamischen Antikommunismus und fand volle Unterstützung durch Amerikas CIA.
Nach dem Zusammenbruch des Sowjetreiches wendete sich Ibn Ladin gegen die andere Supermacht: die USA. Er glaubt im Ernst, diesen dasselbe Schicksal bereiten zu können wie der einstigen Sowjetunion; dann wäre der Weg frei für die Realisierung seiner Vision.
Zu seinen Gefolgsleuten gehört der blinde ägyptische Scheich Omar Abd el-Rahman, der als Drahtzieher bei der Ermordung des ägyptischen Präsidenten Anwar el-Sadat gilt wie auch als geistiger Führer der Dschihad-Organisation, auf deren Konto der Anschlag gegen das New Yorker World Trade Center im Februar 1993 geht.
Finanziert von Ibn Ladin waren auch die rund 20 000 Araber, die neben den afghanischen Mudschahidin gegen die Sowjets kämpften und in Peschawar an der pakistanisch-afghanischen Grenze in irregulärer Kriegsführung ausgebildet wurden. Mit dem Ende des Afghanistan-Krieges hatten sie ihre Aufgabe verloren.
Nun zogen diese als "el-Afghan el-Arab" (arabische Afghanen) bezeichneten Terroristen von Zentralasien in die Mittelmeerregion mit dem Ziel, hier die angeblich gottlos gewordenen, mit den Amerikanern verbrüderten Muslime zu bekämpfen.
Seither machen sie mit ihren Terroranschlägen noch mehr Schlagzeilen als je im Krieg gegen die Sowjetunion in Afghanistan. Jüngste Taten in dieser Horrorgeschichte: die Anschläge gegen die amerikanischen Botschaften in Nairobi und Daressalam im August 1998.
In dem CNN-Interview mit Ibn Ladin hatte dieser im Anschluß an seine selbstgefällige Feststellung, seine Gotteskämpfer hätten die Sowjetunion zu Fall gebracht, die Warnung ausgesprochen: "Wir fordern Amerikaner und alle Westler auf, das heilige Land der Muslime (Saudi-Arabien) zu räumen, auch die Sicherheit ihrer Zivilisten können wir nicht garantieren."
Als der Interviewer Arnett ihn nach seiner nächsten Aktion fragte, hieß die Antwort: "Entnehmen Sie das der Presse."
Die Bewegung, die die Urheberschaft für die beiden koordinierten Terroranschläge auf die Botschaften beanspruchte, nennt sich "Islamische Armee zur Befreiung der heiligen Stätten". Nach ihren eigenen Erklärungen aber will sie viel mehr - nämlich eine "Weltmacht Islam" begründen.
Wie ernst ist die Rhetorik der Islamisten zu nehmen? Ist der Islam eine Religion, oder hat er tatsächlich die Intention, eine "Weltmacht" zu werden?
Die Geschichte kennt drei islamische Weltreiche, drei "Kalifate": das der Umajjaden von Damaskus (661 bis 750), das der Abbasiden von Bagdad (750 bis 1258) und schließlich das der türkischen Osmanen von Anbeginn des 14. Jahrhunderts bis zum Jahre 1924. (Der Begriff des Kalifats, der im Koran nirgends vorkommt, bedeutet die von einem muslimischen Herrscher getragene Ordnung, in der die Tradition des Propheten fortgeführt wird.)
Doch das Osmanenreich, das 1453 das christliche Konstantinopel erobert hatte und 1683 Wien zum zweitenmal belagerte, zerfiel schon im 18. Jahrhundert.
Vollends seit dem 19. Jahrhundert galt die Türkei als der "kranke Mann am Bosporus". Den Fortbestand verdankte das Reich eigentlich nur dem Umstand, daß sich die europäischen Kolonialmächte uneinig waren, wie sie es aufteilen sollten.
Endgültig ging das Osmanenreich im Ersten Weltkrieg zugrunde. Im Jahre 1924 hat dann Kemal Pascha, genannt Atatürk, der Begründer der säkularen Republik Türkei, das Kalifat abgeschafft und damit erstmals in der islamischen Geschichte bestimmt, daß die Religion des Islam von der Politik zu trennen sei.
Das Ende der letzten imperialen Ordnung im Islam gehört mithin in die Weltgeschichte der Auflösung der Reiche. Die Sehnsucht nach der in diesen drei Kalifaten dokumentierten imperialen Größe des Islam blieb aber lebendig und hat zu keinem Zeitpunkt richtig nachgelassen, auch wenn der moderne türkische Staat säkular orientiert blieb.
Oberflächlich betrachtet trat der Islam nach 1924 politisch in den Hintergrund. Zwar wurde 1928 die erste fundamentalistische, eine islamische Ordnung predigende Bewegung, die Muslimbruderschaft von Hassan el-Banna, in Ägypten gegründet. Aber diese Bestrebung galt damals als Anachronismus.
Die nach Paris entsandten Emissäre des Kalifen von Istanbul, die herausfinden sollten, worin das Geheimnis der neuen Weltmacht Westen bestand, waren mit der einfachen Botschaft zurückgekommen: "Wissenschaft und moderne Technologie".
Seitdem waren viele Muslime bemüht, sich diese neuen Errungenschaften anzueignen, wobei ihnen zu Beginn nicht bewußt war, daß sich die westliche Moderne nicht in einen instrumentell zu übernehmenden und einen kulturell abzulehnenden Teil halbieren läßt: Man kann nicht die moderne Wissenschaft und Technologie übernehmen - aber den ihnen zugrunde liegenden Geist der Säkularität ablehnen.
Nach rund hundert Jahren eines islamischen Reformismus und einem halben Jahrhundert eines säkularen, am Westen orientierten Nationalismus, war der Weg geebnet für einen erneuerten Islam, aber nicht eines aufgeklärt-liberalen, sondern eines politischreligiösen, der Gottesordnungsvorstellungen in der Welt verwirklichen möchte.
Für diese neue Strömung sind viele Begriffe geprägt worden, die von "Integrismus" bei den Franzosen, über "Fundamentalismus" bei den Amerikanern und Deutschen zu "Islamismus" bei den Muslimen reichen. Die Träger des Phänomens bevorzugen die Bezeichnung "el-Sahwa el-islamija" (das islamische Erwachen). Es ist nicht ohne Belang, für welchen der angeführten Begriffe man sich entscheidet, doch unstrittig ist bei allen Betroffenen der Anspruch, der mit dieser neuen Bewegung verbunden ist: Wiederherstellung des "Dar el-islam" (Haus des Islam) als Weltmacht. Das ist der Inhalt der erneuten Bindung des Islam an die Politik.
Zum Hintergrund der Auflösung der letzten islamischen Macht, des Osmanischen Reiches, gehört das Eindringen des Westens in die Welt des Islam auf allen Ebenen. Die Aufnahme der Idee der Nation durch die Muslime erschütterte das islamische universelle Verständnis von der "Umma", der Einheit aller Muslime. Als Muslime sich während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Europa aufhielten und das Phänomen der modernen Nation kennenlernten, fanden sie in ihren Sprachen, vor allem in der Offenbarungssprache des Korans, also dem Arabischen, keine Entsprechung für den europäischen Begriff der Nation, eben weil das Phänomen dem Islam fremd ist. Zuletzt entschlossen sie sich, "Nation" mit "Umma" zu übersetzen. Doch haben beide Begriffe nicht dieselbe Bedeutung, und die Folgen dieser Gleichsetzung waren unübersehbar. Denn die historische Kernbevölkerung des Islam, Araber, Perser und Türken, gehört zur selben Umma, obwohl sie ethnisch, sprachlich und kulturell verschieden ist.
Zu den schwerwiegenden Folgen der Übernahme der europäischen Idee von der Nation gehörte für die säkular orientierten Muslime die Unterteilung der islamischen Umma in jeweils eine arabische, persische und türkische Nation, neben vielen weiteren. Jungtürken und Araber, die gegen den islamisch definierten Osmanismus gemeinsam Front gemacht hatten, mußten sich auf der Grundlage ihres modernen Nationenbegriffs trennen.
Die Türken haben sich mit Rückblick auf ihren mythischen Ur-Ahnen Turan im europäischen Sinne als eine Nation definiert. Im Gegenzug hat der geistige Vater des arabischen Nationalismus, Sati el-Husri, gestorben 1968, die Türken von der arabischen Nation ausgegrenzt. Er hat die Formel geprägt, daß die Gemeinsamkeit der Sprache und Geschichte, nicht der Religion eine Nation ausmache.
* Mit Sultan Muhammad V.
In diesem Sinne wurden viele Araber ein halbes Jahrhundert lang in der Maxime "Religion ist eine Sache Allahs, das Vaterland gehört allen" erzogen. Ich selbst gehöre zu dieser arabischen Generation, die gelernt hat, daß Christen sehr wohl Teil der arabischen Nation sein können, Perser und Türken aber Ausländer sind.
Mit der Auflösung der Kolonialreiche und dank der Übernahme des europäischen Nationenbegriffs verwandelten sich die vorher europäisch beherrschten islamischen Gebiete in europäisch definierte Nationalstaaten. Heute gibt es 55 Staaten, die mehrheitlich eine muslimische Bevölkerung haben. Sie bilden die "Organisation der Islamischen Konferenz", eine saudiarabisch dominierte lockere Gemeinschaft, die indes, im Gegensatz zu den Islamisten, kein Weltreich beansprucht. Abermals stellt sich die Frage: Werden die Islamisten, im Gegensatz auch zu den modernen islamischen Staaten, am Beginn des neuen Milleniums in der Lage sein, eine "Weltmacht Islam" aufbauen zu können?
Sie verlangen eine Einheit von Religion und Politik als Ordnungsprinzip, und das nicht nur "hinten, weit, in der Türkei" (Goethe). Gegenwärtig leben dank einer zunehmenden Migration bereits 13,5 Millionen Muslime in Westeuropa, und der Islamismus hat auch in der Diaspora Fuß gefaßt. Die wichtigsten islamistischen Bewegungen unterhalten Büros in London und anderen europäischen Städten.
Der Islamismus unserer Zeit geht auf die siebziger Jahre zurück. Nach der totalen arabischen Niederlage gegen Israel im Sechstagekrieg von 1967 waren die arabischen Muslime gleichermaßen erschüttert und gedemütigt. Sie fragten sich: Wie konnte ein kleiner Staat, Israel, die Armeen mehrerer kampfstarker arabischer Staaten militärisch besiegen und damit moralisch erniedrigen?
Anfang der siebziger Jahre kam die Antwort von einem Scheich der ägyptischen Muslimbrüder, der heute als ein wichtiger Ideologe des Islamismus gilt: Jussuf el-Qaradawi. In einer dreibändigen, heute in allen islamischen Ländern weitverbreiteten Buchreihe "el-Hall el-islami" ("Die islamische Lösung") predigt er, daß die Muslime in ihrer Auseinandersetzung mit dem Westen bisher gescheitert seien, weil sie auf den Islam verzichtet, sprich: den Islam von der Politik getrennt hätten.
Ähnlich wie Sajjid Qutb, ehemaliger Propagandaleiter der Muslimbrüder, nennt Qaradawi die aus dem Westen übernommenen Modelle des Nationalstaats, der Demokratie und des Sozialismus "importierte Lösungen" und ruft dazu auf, sie abzulegen, um zur "islamischen Lösung" und somit zur imperialen Macht dieser Religionsgemeinschaft zurückzukehren.
Bereits im ersten Band "Die islamische Lösung und die importierten Lösungen" schreibt Qaradawi: "Muslime benötigen die gläubige Führung, die weiß, wie sie die islamische Umma anspricht und sie und ihre Energien mobilisiert. Eines Tages werden sich die Machtverhältnisse in der Welt verändern ... Selbst westliche Orientalisten räumen ein, daß, wenn die Muslime den richtigen Führer finden, der die Sprache des Islam beherrscht, sie auf dieser Basis durch eine Rückkehr des Islam den Aufstieg zu einer der stärksten Weltmächte bewerkstelligen werden."
Im Westen dominiert die falsche Vorstellung, daß der Islamismus mit der islamischen Revolution gegen den Schah Irans und mit dem Chomeinismus begonnen habe und also auch der Ursprung des Anspruchs auf eine "Weltmacht Islam" hier liege. In Wirklichkeit stammt dieser Anspruch aus dem arabischen Kerngebiet des sunnitischen Islam, nicht aus dem Schia-Islam und Iran. Die Leistung der iranischen Revolution besteht allein darin, dem bereits vorhandenen politischen Islam Aufschwung gegeben zu haben, weil sie seinen Anspruch auf Eroberung der Herrschaft politisch realisiert hat.
Qaradawi, der einen "einzigen Führer" der Muslime als ihren Imam fordert, um sie zur Weltmacht emporsteigen zu lassen, übersieht 14 Jahrhunderte islamischer Geschichte, in der kein Konsens über einen solchen Imam als politischen Führer gefunden werden konnte.
Nach dem Tod Mohammeds waren die Muslime zunächst ratlos gewesen, weil weder der Gesandte Gottes noch der offenbarte Koran-Text auch nur ein Wort über eine islamische Ordnung oder gar über die Nachfolge des Propheten verkündet hatte. Im Jahre 632 beschlossen damals führende Muslime, daß die von Mohammed geschaffene Gemeinschaft aller Muslime von einem einzigen Imam anzuführen sei. Rein religiös ist der Imam ein Vorbeter, im Kalifat wird er jedoch ein politischer Führer*.
Die Frage, die sich im Zusammenhang mit dieser Tradition seit dem 7. Jahrhundert für die Muslime stellt, lautet: Wer ist der wahre Imam? Bereits im Jahre 632 begann unter den Muslimen der Kampf um die Antwort auf diese für den Bestand der Umma so wichtige Frage. Mußte der Imam aus dem mekkanischen Stamm Kureisch kommen, dem der Prophet angehörte? Oder haben die Bewohner von Medina, die zwei anderen Stämmen angehören, das Vorrecht, den Imam zu stellen?
Im Jahre 622, dem Beginn der islamischen Zeitrechnung, hatte der Prophet von Mekka nach Medina fliehen müssen, um der Verfolgung durch seinen eigenen Stamm zu entkommen. Erst 630, zwei Jahre vor seinem Tode, nahm er Mekka ein, und sein eigener Stamm trat verspätet - acht Jahre nach ihren Glaubensbrüdern in Medina - dem Islam bei.
Weder die Mekkaner noch die Medinenser konnten sich auf einen Imam einigen - schließlich setzten sich Teile der Obrigkeit des Kureisch-Stammes durch, und Abu Bakr, ein Schwiegervater des Propheten, wurde erster Kalif im Islam, wenn auch nicht mit Zustimmung aller.
Die Entscheidung für Abu Bakr fiel nicht nur gegen die Medinenser, sondern auch gegen die enge Familie des Propheten, de-
* Nach der islamischen Doktrin kann es nur einen einzigen Kalifen geben, der zugleich ihr Imam, also auch ihr religiöser Führer, ist. Jeder Kalif ist automatisch der Imam aller Muslime, aber nicht jeder Imam ist ein Kalif, sondern kann auch ein lokaler Führer sein. In Widerspruch zu dieser islamischen Utopie hatten die Muslime im 10. Jahrhundert sogar drei Kalifen: je einen in Bagdad, in Kairo und in Córdoba.
ren Kandidat für das Kalifat Mohammeds Schwiegersohn Ali war.
Seit dem Tod des Propheten herrscht also keine Einigkeit über den "wahren Imam". Drei der vier direkt ausgewählten und als rechtgläubig bezeichneten Kalifen kamen durch Mord ums Leben. Auf diese Weise wurde eine Tradition begründet, nach der ein muslimischer Kalif nicht von sich aus zurücktritt - entweder stirbt er, oder er wird ermordet.
Folgenreich war der Mord am dritten rechtgläubigen Kalifen Osman (656), weil dieser Mord den ersten binnenislamischen Krieg, die sogenannte Fitna, auslöste. (Fitna bedeutet im Islam die Schönheit einer Frau und zugleich die Unruhe als innerislamische Unordnung.)
Der Fitna-Krieg wurde zwischen der Lieblingsfrau des Propheten, Aischa, der ersten Feldherrin in der islamischen Geschichte, und Ali ausgetragen. Der tunesische Historiker Hichem Djait schreibt in seinem Buch über den Fitna-Krieg, daß die in dieser frühislamischen Geschichte entstandene Verknüpfung von Religion und Politik mit schrecklichem Blutvergießen ein nachhaltig wirkendes Merkmal des Islam wurde.
Die Verknüpfung von Religion und Politik blieb im Islam nicht unwidersprochen. Im frühen islamischen Mittelalter waren gleichermaßen islamische Rationalisten und Mystiker (Sufis) bemüht, im Islam nur einen Glauben zu sehen, ihn mithin von diesem Blutvergießen als Folge der Bindung an die Politik abzugrenzen.
Doch die islamische Orthodoxie gewann im Verlauf der islamischen Geschichte die Oberhand - sie hat die islamische Aufklärung (9. bis 12. Jahrhundert) schon im Keim erstickt. Einige Sufis wurden hingerichtet, die Bücher von Aufklärern stellvertretend für ihre Autoren verbrannt.
Die Rückblende auf den Früh-Islam ist essentiell für das Verständnis der so verwirrenden islamischen Gegenwart: Die Geschichte des ursprünglichen Dissenses setzt sich fort - mit den gleichen blutigen Konsequenzen.
In Algerien ermorden Muslime andere Muslime, wobei die Zahl der Opfer inzwischen über 80 000 erreicht hat. Der Groupe islamique armée (GIA) ist dabei nicht etwa eine einheitliche islamistische Bewegung, sondern eine Ansammlung von bewaffneten Terrorbanden, von denen jede einzelne ihren eigenen Führer hat, der ihnen die Ermordung anderer Muslime befiehlt. Diese Gruppen sind nicht im entferntesten in der Lage, sich auf eine Ordnung in Algerien zu verständigen.
Nicht viel anders verhält es sich mit der Gamaa islamija (Islamische Gruppe) in Ägypten, die ebenfalls tief zerstritten ist. Und in Afghanistan herrschen seit 1996 die Taliban, die ganz überwiegend aus dem Paschtu-Stamm kommen; sie wollen ihre "Paschtunwali", das heißt ihr stammesbezogenes Verständnis der Scharia als Basis einer islamischen Ordnung, allen anderen Stämmen des Landes aufzwingen. Als sie Kabul eroberten, ernannten sie ihren eigenen Amir el-Mu''minin, das "Oberhaupt
der Gläubigen". So lautet der Titel eines islamischen, politisch definierten Imam, der die Herrschaft über alle Muslime beansprucht. (Ausnahme ist der vergleichswei-
* Beim Vermitteln lateinischer Buchstaben, die 1928 das Arabische in der türkischen Schriftsprache ersetzten.
se moderne marokkanische König Hassan II., der mit diesem Titel nur den Herrschaftsanspruch über sein Land verbindet.) Die afghanischen Taliban sind jedoch noch nicht einmal in der Lage, ihrem "Oberhaupt der Gläubigen" Anerkennung in ganz Afghanistan zu verschaffen.
Im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts war es zu einem Höhepunkt des islamischen Reformismus gekommen. Den ersten Beitrag leistete der Ägypter Rifaa el-Tahtawi, der sich in Paris zunächst als Vorbeter der ersten großen muslimischen Studentengruppe, später dann auf eigenen Wunsch als Student aufhielt. Tahtawi erkannte, daß die Moderne auf der Basis der Wissenschaft aufgeblüht war und merkte an: "Man wird somit die Überlegenheit dieser Christen in den Wissenschaften erkennen und zugleich einsehen, daß es viele von diesen in unseren Ländern gar nicht gibt." Er empfahl seinerzeit dem muslimischen Herrscher, der ihn nach Paris entsandt hatte, Mohammed Ali, dem ägyptischen Statthalter der Hohen Pforte, "nach den fremden Wissenschaften zu streben" und sie sich anzueignen und machte lediglich die Einschränkung: "Selbstverständlich billige ich nur das, was nicht im direkten Widerspruch zum Wortlaut unseres islamischen Gesetzes steht."
Ein weiterer wichtiger muslimischer Modernist, Mohammed Abduh, bemühte sich, die Grundlagen für die Akzeptanz der modernen Wissenschaft durch die Muslime dadurch zu legen, daß er im Islam eine Zivilisation, nicht eine Ordnungsmacht sah. In seinem Werk "Der Islam und das Christentum zwischen der Wissenschaft und der Zivilisation" argumentiert er, daß das Christentum im Gegensatz zum Islam vernunftfeindlich sei, weshalb sich die europäische Aufklärung gegen die Religion stellen mußte. Dagegen sei der Islam vernunftfreundlich, weshalb die Muslime die Rolle der Religion nicht in gleicher Weise reduzieren müßten.
Abduh starb 1905. 20 Jahre später erschien in Buchform der letzte große Reformversuch; sein Verfasser, Scheich der Kairoer Azhar-Universität, Ali Abd el-Rasik, wirkte in Oxford, wie Abduh in Paris gewirkt hatte. In seinem großen Werk "Der Islam und die Grundlagen der Herrschaft" argumentiert er zu Recht, daß die islamische Ordnung des Kalifats eine Erfindung der Menschen sei und nicht von Gott komme; der Islam sei eine Religion, keine politische Ideologie; muslimische Herrscher hätten den Islam stets zur Legitimierung ihrer Macht mißbraucht.
Abrupte Gegenwehr, ja eine 180-Grad-Wendung gegen den Reform-Islam, kam 1925 zunächst nicht von dem Islamismus, den es damals noch nicht gab, sondern vom religiösen Establishment der Azhar-Universität, wo Abd el-Rasik als Professor wirkte. Dieses Establishment, das die Orthodoxie im Islam repräsentiert, entzog Abd el-Rasik Amt und Würde. Daß er später Reue bekundete, half ihm wenig; er starb als letzter Islam-Reformer in Kummer und Verzweiflung.
Nur drei Jahre nach dem Erscheinen von Abd el-Rasiks Buch gründete Hassan el-Banna ebenfalls in Ägypten die Bewegung der Muslimbruderschaft, die allererste moderne fundamentalistische Bewegung in der gesamten Welt des Islam. Sie hat die Zeichen für den politischen Islam und seinen Anspruch auf Weltherrschaft bis in unsere Zeit gesetzt.
Dennoch hat damals noch nicht gleich der Islamismus die Stelle des Reform-Islam eingenommen. Er wurde vielmehr vom säkularen panarabischen Nationalismus und anderen säkularen Ideologien abgelöst.
Ebenso wie der Reform-Islam trat dieser Nationalismus für eine Abkoppelung der
* Oben: nach seiner Rückkehr aus dem Pariser Exil; unten: während der Staatsfeiern zum fünften Jahrestag des Militärputsches.
Politik von der Religion ein. In der arabischen Welt trat an die Stelle des religiösen Glaubens der säkulare Glaube an eine panarabische Nation. Ähnliches geschah in anderen Teilen der islamischen Welt.
Bei den Arabern standen am Anfang die Ideen von Sati el-Husri, der sich bereits in den zwanziger Jahren einen "arabischen Bismarck" wünschte, um ein "arabisches 1871" zu verwirklichen. Dieser panarabische weltliche Messias war nicht in Sicht, als Husri seine Ideen Mitte der zwanziger Jahre veröffentlichte. Sie wurden von einem arabischen Christen, Michel Aflak, aufgenommen, der Anfang der vierziger Jahre die Baath, die "Partei der arabischen Wiedergeburt" gründete. Sie regiert seit den sechziger Jahren in Syrien und im Irak, also in zwei arabischen Ländern, die bitter miteinander verfeindet sind. Schon daran zeigt sich deutlich die Brüchigkeit des Panarabismus.
Die Baath-Partei hat eine Reihe von syrischen und irakischen Politikern und militärischen Diktatoren hervorgebracht, aber es blieb einem Ägypter vorbehalten, die Rolle des "arabischen Bismarck" zu übernehmen: Gamal Abd el-Nasser. Dieser eroberte per Militärputsch am 23. Juli 1952 die Macht und löste die Monarchie durch die Republik ab. Er wurde der Held der Araber, wie zuvor Atatürk der Held der Türken gewesen war.
Nasser war so populär, daß sich zunächst selbst die syrische Baath-Partei seiner Führung beugte und 1958 mit ihm die Vereinigte Arabische Republik zwischen Syrien und Ägypten gründete; sie bestand aber nur drei Jahre, bis zum September 1961.
Unter Nassers Herrschaft von 1954 bis zum Ausbruch des Sechstagekrieges von 1967 wurde die Propagierung des säkularen, eines zwischen Religion und Politik trennenden Panarabismus großgeschrieben. So entstand im Nahen Osten eine Situation, die der 1984 ermordete Präsident der American University of Beirut, Malcolm Kerr, "den arabischen Kalten Krieg" nannte (auch der Titel seines Buches). Es war ein Kalter Krieg nicht nur zwischen den Nasseristen und den Baathisten im Wettbewerb um die Führung der arabischen Welt. Es war auch ein Kalter Krieg zwischen arabischen Säkularisten und Vertretern des Islam als Herrschaftsform.
Letztere waren damals noch keine Islamisten, sondern muslimische Traditionalisten, denen die islamisch legitimierten Monarchien in Saudi-Arabien und Marokko genügten. Islamisten gab es zwar schon, aber sie waren, wie ihre zentrale Organisation, die Muslimbrüder, relativ bedeutungslos.
Der Islam wurde in Arabien gestiftet, die arabische Welt war und bleibt sein Kerngebiet wie auch der Spiegel der gesamten islamischen Welt. Der Kampf zwischen säkularen Nationalisten und islamischen Traditionalisten war wie ein Abbild der Entwicklungen, die auch in anderen Teilen der Welt des Islam stattfanden.
Zwischen den zwanziger Jahren und dem Stichjahr 1967 lag ein knappes halbes Jahrhundert, in dem der arabische säkulare Nationalismus und andere Nationalismen in der Region trotz des arabischen
* Taliban-Kämpfer ermorden 1996 den ehemaligen afghanischen Präsidenten (M.) und seinen Bruder.
Kalten Krieges fast unbestritten dominierten. Der panarabische Nasserismus hatte seinen Einfluß nicht nur in der Welt des Islam, er reichte auch nach Schwarzafrika und in viele asiatische Länder.
Der Niedergang Nassers und der von ihm vertretenen Richtung begann als Folge der Niederlage im Sechstagekrieg 1967. Die Israelis waren so stark, so schien es damals vielen Arabern, weil sie zu ihrer Religion standen, während die Muslime sich von ihrem Islam abgewandt hatten und deswegen so schwach seien. Also büßten säkulare Ideologien an Legitimität ein, und das Ergebnis war der Aufstieg des politischreligiösen Islam.
Der ist nichts anderes als die islamische
Spielart des religiösen Fundamentalismus
- eine globale Erscheinung unserer Zeit.
Der Islamismus hat seither den Platz des säkularen arabischen Nationalismus eingenommen. Zwar gibt es immer noch panarabische Regime wie in Syrien, im Irak oder in Libyen, aber diese haben weder Legitimität, noch genießen sie viel Popularität in der Bevölkerung. Von den Integristen werden sie als "Regime des Unglaubens" denunziert und ebenso angefeindet wie der Westen. Der religiöse Fundamentalismus bietet sich als Alternative auch zu diesen Regimen an und trägt den Kampf mit dem Westen damit zunächst innerislamisch aus.
Der Fundamentalismus läßt sich als ein Bestreben nach Islamisierung der Politik definieren, um eine entsprechende Ordnung zu begründen. Der Anspruch auf eine imperiale "Weltmacht Islam" läßt sich nur in diesem Zusammenhang verstehen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Einstellung zur Moderne. Fundamentalisten sind im Gegensatz zu muslimischen Traditionalisten nicht gegen Wissenschaft und Technologie, ganz im Gegenteil, sie befürworten sie.
Niemand in der Welt des Islam nutzt die moderne Kommunikationstechnologie, vom Fax bis zum Internet, intensiver als die Islamisten. Doch wollen sie diese Instrumente von der kulturellen Moderne trennen. Das ist die Illusion, die ich den "islamistischen Traum von der halben Moderne" nenne. Technologie und Wissenschaft werden bejaht, gleichzeitig aber wird zur Säkularität, zur Demokratie und zu den individuellen Menschenrechten ein entschiedenes "Nein" gesagt.
Bei der Einschätzung der Zukunftschancen des Islamismus sind folgende Unterscheidungen von zentraler Bedeutung: Islamische Fundamentalisten sind nicht gleichzusetzen mit islamischen Orthodoxen. Erstere wollen den Gottesstaat auf Erden, die letzteren bestehen nur auf einer lockeren Bindung der Politik an die Religion.
Der saudische Wahhabismus - die Legitimität der Ölmonarchie - ist ein Beispiel für die vergleichsweise unaggressive Kombination von orthodoxem Islam und Politik. Orthodoxe Muslime hängen einem islamischen Universalismus an, der aber nicht identisch ist mit der Illusion von einer islamischen Weltherrschaft.
Ein weiterer wichtiger Unterschied besteht zwischen Islamismus und Terrorismus. Gerade für den Westen ist es wichtig zu begreifen, daß nicht jeder muslimische Fundamentalist ein Terrorist ist. Es gibt viele islamistische Bewegungen, die die Arbeit in politischen Institutionen anstelle der Gewaltanwendung befürworten. Prominentestes Beispiel hierfür ist Necmettin Erbakan, der mit weißem Hemd und Krawatte, nicht mit Vollbart und Bombe auftritt und es so für knapp ein Jahr zum Regierungschef der Türkei brachte.
Der Westen pflegt jahrhundertelang tradierte Feindbilder und Vorurteile über den Islam, die von einigen Medien noch geschürt werden. Aber bei aller Kritik an diesen Medien zeigen die Fakten, daß der Anspruch auf eine "Weltmacht Islam" kein Medienprodukt ist, sondern von Führungspersönlichkeiten des Islamismus tatsächlich vertreten wird, die über eine große Anhängerschaft verfügen. Der zitierte Qaradawi ist hierfür ein Beispiel.
Eine Bekämpfung der Feindbilder vom Islam kann nur erfolgreich sein, wenn zwischen dem Islam als Religion und Gottesglauben einerseits und dem Islamismus als politischer Ideologie andererseits unterschieden wird. Als Muslim betrachte ich meine Zugehörigkeit zum Islam als Teil meiner Identität, lehne aber den politischen Anspruch des Islamismus und seiner Vertreter ab. Dieser ist eine Ideologie, die nicht zum religiösen Glauben oder zur Ethik des Islam gehört.
Trotz aller internen Differenzen unter den Islamisten selbst sind sie im Gegensatz zu Islam-Reformern und islamischen Aufklärern in ihren Weltbildern und Anschauungen einig: Sie wollen das Dar elislam, eine "Weltmacht Islam", verwirklichen. Den meisten islamistischen Bewegungen haftet dabei ein konstantes Merkmal islamischer Geschichte an: die Personifizierung. Herrschaft und Führung werden an eine Person gebunden - und an einen Kult um die Person.
Zweifellos wird die islamische Zivilisation im 21. Jahrhundert mit einer zunehmend entwestlichten Welt eine größere Bedeutung haben. Aber eine "Weltmacht Islam" wird es aus vielen Gründen dennoch nicht geben, auch wenn in weiteren großen islamischen Ländern, Algerien oder Ägypten, die Islamisten an die Macht kommen sollten - was niemand mit Sicherheit voraussagen kann -, oder wenn die "islamische Atombombe" Pakistans tatsächlich einsatzbereit wäre. Die ersehnte imperiale Macht, dies räumt der große islamistische Scheich Qaradawi ein, könnte nur durch die Akzeptanz eines einzigen, alle Muslime vereinigenden Imam als Führer der gesamten islamischen Umma zustande kommen.
Wenn sich aber der GIA in Algerien und die Hisbollah im Libanon nicht auf einen Führer einigen können, die Taliban in Afghanistan und die Dschihad-Gruppe in Ägypten schon in ihrem inneren Kreis darin versagen, die Autorität eines einzigen Imam anzuerkennen, wie sollten dann die Führer islamistischer Bewegungen einen Imam hervorbringen können, der von mehr als einer Milliarde Muslime anerkannt wird?
Die Zukunft des Islam liegt in der politischen und kulturellen Vielfalt und in der Abkoppelung der Religion von der Politik, nicht im Festhalten an der Frage, wer der wahre Imam aller Muslime ist, der sie zu einer Weltmacht führen könnte. Diese Lehre sollten Muslime aus der islamischen Geschichte ziehen.
"Auf der Stufe der Tiere"
Aus der arabischen Zeitschrift "el-Urwa el-wuthqa", 1884
Dieser Lord Hartington, englischer Kriegsminister, ist der Meinung, die Unwissenheit unter den Muslimen im allgemeinen und den Ägyptern im besonderen habe ein solches Maß erreicht, daß ihnen jegliches humane Empfinden abgehe. Ihre Unbildung sei so abgründig, daß sie nicht einmal mehr zwischen Feind und geliebtem Freund unterscheiden würden!
Dies ist der Beweis dafür, daß die Engländer in dem Glauben leben, die orientalischen Völker einschließlich der ägyptischen Nation stünden auf der Stufe der grasenden Tiere und des weidenden Reitviehs. Somit haben die Ägypter heute zwei Möglichkeiten:
Entweder entschließen sie sich zu Widerstand und gegenseitigem Beistand und sind bereit, Güter und Geister zu opfern, um ihre Würde als Menschen und ihre Ehre als Araber zu bewahren und die Rechte ihres religiösen Glaubens zu erfüllen: um ihre Gemüter vor der Versklavung durch ein Volk zu erlösen, das sie nur so anschaut, wie man das Maultier oder den Esel anschaut. Oder aber, sie schämen sich aller ihrer menschlichen Eigenschaften, legen den Schmuck des Glaubens ab und entsagen der Ehre der Araber, um das Joch der Sklaverei auf dem Nacken zu schleppen, bereit, jede Erniedrigung und Repressalie einzustecken.
Der Autor
Bassam Tibi, 54, geboren in Damaskus, ist Muslim. Er lehrt Internationale Beziehungen an der Universität Göttingen und ist seit 1998 Dozent an der Harvard-Universität.
LITERATUR
SADIQ J. AL AZM: "Unbehagen in der Moderne. Aufklärung im Islam". Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1993; 143 Seiten - Ein Philosoph über die Vereinbarkeit von Islam und Moderne.
WERNER ENDE, UDO STEINBACH (Hrsg.): "Der Islam in der Gegenwart". Verlag C. H. Beck, München 1996; 1015 Seiten - Das umfangreichste Standardwerk.
DAVID FROMKIN: "A Peace to End All Peace". Avon Books, New York 1990; 636 Seiten - Spannend geschriebene Geschichte der Nahost-Eroberung durch die europäischen Kolonialmächte nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches.
PETER HEINE: "Halbmond über deutschen Dächern". List Verlag, München 1997; 352 Seiten - Muslimischer Alltag in Europa.
ALBERT HOURANI: "Die Geschichte der arabischen Völker". S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1992; 635 Seiten - Vielgepriesene Kulturgeschichte der arabischen Länder.
GILLES KEPEL: "Der Prophet und der Pharao". Piper Verlag, München 1995; 304 Seiten - Islamischer Fundamentalismus am Beispiel Ägyptens, von einem französischen Experten.
ANDREAS MEIER: "Der politische Auftrag des Islam". Peter Hamm Verlag, Wuppertal 1994; 607 Seiten - Originaltexte einflußreicher Islamisten.
FATIMA MERNISSI: "Der politische Harem". Herder Verlag, Freiburg 1992; 302 Seiten - Plädoyer für die Gleichstellung der Frau im Islam.
GERNOT ROTTER (Hrsg.): "Die Welten des Islam". Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1993; 240 Seiten - 39 erhellende Gedanken zum Islam - von Karl May bis Saddam Hussein.
EDWARD SAID: "Orientalismus". Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1994; 423 Seiten - Ein palästinensischer Gelehrter streitet für eine neue Sicht des Westens auf den Nahen Osten.
REINHARD SCHULZE: "Geschichte der Islamischen Welt im 20. Jahrhundert". Verlag C. H. Beck, München 1994; 446 Seiten - Berücksichtigt auch den Islam außerhalb des Nahen Ostens: in Indonesien, Afrika, im Kaukasus und in Zentralasien.
BASSAM TIBI: "Der wahre Imam". Piper Verlag, München 1997 (2. Auflage); 444 Seiten - Gut lesbare Geschichte des Islam von Mohammed bis zur Gegenwart.

ALBERT HOURANI: "Die Geschichte der arabischen Völker". S.
Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1992; 635 Seiten - Vielgepriesene
Kulturgeschichte der arabischen Länder.
GILLES KEPEL: "Der Prophet und der Pharao". Piper Verlag,
München 1995; 304 Seiten - Islamischer Fundamentalismus am Beispiel
Ägyptens, von einem französischen Experten.
ANDREAS MEIER: "Der politische Auftrag des Islam". Peter Hamm
Verlag, Wuppertal 1994; 607 Seiten - Originaltexte einflußreicher
Islamisten.
FATIMA MERNISSI: "Der politische Harem". Herder Verlag,
Freiburg 1992; 302 Seiten - Plädoyer für die Gleichstellung der
Frau im Islam.
GERNOT ROTTER (Hrsg.): "Die Welten des Islam". Fischer
Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1993; 240 Seiten - 39
erhellende Gedanken zum Islam - von Karl May bis Saddam Hussein.
EDWARD SAID: "Orientalismus". Fischer Taschenbuch Verlag,
Frankfurt am Main 1994; 423 Seiten - Ein palästinensischer
Gelehrter streitet für eine neue Sicht des Westens auf den Nahen
Osten.
REINHARD SCHULZE: "Geschichte der Islamischen Welt im 20.
Jahrhundert". Verlag C. H. Beck, München 1994; 446 Seiten -
Berücksichtigt auch den Islam außerhalb des Nahen Ostens: in
Indonesien, Afrika, im Kaukasus und in Zentralasien.
BASSAM TIBI: "Der wahre Imam". Piper Verlag, München 1997 (2.
Auflage); 444 Seiten - Gut lesbare Geschichte des Islam von
Mohammed bis zur Gegenwart.
[Grafiktext]
Islam-Chronik 1916 Sykes-Picot-Abkommen: Großbritannien und Frankreich teilen den Nahen Osten in Inter- essensphären auf 1924/25 Abschaffung des Kalifats und Auf- hebung des Schleiergebots für Frauen durch Kemal Atatürk in der Türkei 1928 Einführung der lateinischen Schrift statt der arabischen und Abschaffung des Islam als Staatsreligion in der Tür- kei; Gründung der Muslim- bruderschaft in Ägypten 1932 Ausrufung des saudiarabischen König- reichs durch den König Ibn Saud; der Koran anstelle eines Grundgesetzes 1947 Durch die Teilung Britisch-Indiens entsteht Pakistan, mit rund 70 Millionen Muslimen zweit- größter islamischer Staat nach Indonesien 1948/49 Erster Krieg der arabischen Staaten mit Israel 1959 In der Aceh-Provinz auf der indonesischen Insel Sumatra wird die Scharia eingeführt 1963 In Malaysia wird der Islam offizielle Religion 1969 Übersetzung des Koran ins Kisuaheli, der Verkehrssprache in weiten Teilen Ostafrikas 1979 Errichtung der Islamischen Republik Iran 1981 Ermordung des ägyptischen Präsidenten Anwar el-Sadat durch die islamistische Dschihad- Gruppe 1983 Einführung der Scharia im Sudan 1988 Pakistans Premier- ministerin Benazir Bhutto wird die erste weibliche Regierungschefin in ei- nem islamischen Staat 1989 Gründung der Isla- mischen Heilsfront (FIS) in Algerien; nach Annullierung der Wahlen 1991/92 durch das Militär Verbot des FIS; seitdem andauernder blutiger Bürgerkrieg 1991 Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion werden sechs islamische Staaten unabhängig: Kasachstan, Kirgisien, Tadschikistan, Usbeki- stan, Turkmenistan in Zentralasien sowie Aserbaidschan im Kaukasus 1996 Necmettin Erbakan wird für knapp ein Jahr erster islamistischer Ministerpräsident der Tür- kei; Einzug der Taliban in Kabul, Afghanistan 1998 Gründung der Terrororganisation "Internationale Islamische Front für den Heiligen Krieg gegen Juden und Kreuzzügler" durch Ussa- ma Ibn Ladin, Terroranschläge gegen die US- Botschaften in Kenia und Tansania Muslime in Europa 1998 in Tausend Rußland (europ. Teil) 11 000 Ex-Jugoslawien 4000 Frankreich 3500 Deutschland 2765 Großbritannien (mit Gibraltar) 2518 Albanien 2156 Türkei (europ. Teil) 1600 Bulgarien 1500 Italien 820 Niederlande 700 Belgien 300 Rumänien 250 Österreich 200
[GrafiktextEnde]
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Verbreitung des Islam
Islam-Chronik
Muslime in Europa
Weltreligion Islam
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Islam-Chronik 1916 Sykes-Picot-Abkommen: Großbritannien und Frankreich teilen den Nahen Osten in Inter- essensphären auf 1924/25 Abschaffung des Kalifats und Auf- hebung des Schleiergebots für Frauen durch Kemal Atatürk in der Türkei 1928 Einführung der lateinischen Schrift statt der arabischen und Abschaffung des Islam als Staatsreligion in der Tür- kei; Gründung der Muslim- bruderschaft in Ägypten 1932 Ausrufung des saudiarabischen König- reichs durch den König Ibn Saud; der Koran anstelle eines Grundgesetzes 1947 Durch die Teilung Britisch-Indiens entsteht Pakistan, mit rund 70 Millionen Muslimen zweit- größter islamischer Staat nach Indonesien 1948/49 Erster Krieg der arabischen Staaten mit Israel 1959 In der Aceh-Provinz auf der indonesischen Insel Sumatra wird die Scharia eingeführt 1963 In Malaysia wird der Islam offizielle Religion 1969 Übersetzung des Koran ins Kisuaheli, der Verkehrssprache in weiten Teilen Ostafrikas 1979 Errichtung der Islamischen Republik Iran 1981 Ermordung des ägyptischen Präsidenten Anwar el-Sadat durch die islamistische Dschihad- Gruppe 1983 Einführung der Scharia im Sudan 1988 Pakistans Premier- ministerin Benazir Bhutto wird die erste weibliche Regierungschefin in ei- nem islamischen Staat 1989 Gründung der Isla- mischen Heilsfront (FIS) in Algerien; nach Annullierung der Wahlen 1991/92 durch das Militär Verbot des FIS; seitdem andauernder blutiger Bürgerkrieg 1991 Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion werden sechs islamische Staaten unabhängig: Kasachstan, Kirgisien, Tadschikistan, Usbeki- stan, Turkmenistan in Zentralasien sowie Aserbaidschan im Kaukasus 1996 Necmettin Erbakan wird für knapp ein Jahr erster islamistischer Ministerpräsident der Tür- kei; Einzug der Taliban in Kabul, Afghanistan 1998 Gründung der Terrororganisation "Internationale Islamische Front für den Heiligen Krieg gegen Juden und Kreuzzügler" durch Ussa- ma Ibn Ladin, Terroranschläge gegen die US- Botschaften in Kenia und Tansania Muslime in Europa 1998 in Tausend Rußland (europ. Teil) 11 000 Ex-Jugoslawien 4000 Frankreich 3500 Deutschland 2765 Großbritannien (mit Gibraltar) 2518 Albanien 2156 Türkei (europ. Teil) 1600 Bulgarien 1500 Italien 820 Niederlande 700 Belgien 300 Rumänien 250 Österreich 200
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Verbreitung des Islam
Islam-Chronik
Muslime in Europa
Weltreligion Islam
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* Mit Sultan Muhammad V.

* Nach der islamischen Doktrin kann es nur einen einzigen
Kalifen geben, der zugleich ihr Imam, also auch ihr religiöser
Führer, ist. Jeder Kalif ist automatisch der Imam aller Muslime,
aber nicht jeder Imam ist ein Kalif, sondern kann auch ein lokaler
Führer sein. In Widerspruch zu dieser islamischen Utopie hatten die
Muslime im 10. Jahrhundert sogar drei Kalifen: je einen in Bagdad,
in Kairo und in Córdoba.

* Beim Vermitteln lateinischer Buchstaben, die 1928 das
Arabische in der türkischen Schriftsprache ersetzten.

* Oben: nach seiner Rückkehr aus dem Pariser Exil; unten:
während der Staatsfeiern zum fünften Jahrestag des Militärputsches.

* Taliban-Kämpfer ermorden 1996 den ehemaligen afghanischen
Präsidenten (M.) und seinen Bruder.
Von Bassam Tibi

DER SPIEGEL 48/1998
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I. DAS JAHRHUNDERT DER IMPERIEN: 3. Der Islam:
„Räumt unser heiliges Land“

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