23.11.1998

ASTRONOMIEWenig Fortune

Um 20.45 Uhr am Dienstag letzter Woche würde der Himmel schier bersten vor Sternschnuppen, so lautete die Prognose. Doch die Leoniden flogen spärlicher ein als erwartet, zudem 16 Stunden zu früh. Gründlich haben die Astronomen geirrt: In Australien und der Mongolei, den angeblich besten Aussichtsplätzen, starrten ganze Expeditionen vergebens in die Luft. Auf den Kanarischen Inseln hingegen sichteten überraschte Sternengucker bis zu 2000 Meteore pro Stunde, und von Schweizer Bergen waren gar "Feuerkugeln" zu bewundern, die so hell schienen wie ein Vollmond. Seit jeher fehlt es den Forschern an Fortune im Umgang mit dem etwa alle 33 Jahre wiederkehrenden Himmelsphänomen. Schon 1899 und 1932 hatten sie gewaltige Spektakel angekündigt - fälschlich, wie sich zeigte. Immer noch hantieren sie mit einer Vielzahl von Prognose-Modellen, von denen offenbar eines so schlecht ist wie das andere. Zwar ist die Bahn des Kometen Tempel-Tuttle bekannt, in dessen Gefolge die Leoniden als Riesenwolke aus Staub durchs All rasen. Doch über die Staubdichte auf der Umlaufbahn - für Prognosen die wichtigste Größe - können Forscher nur spekulieren. Für 1999 bleibt ihre Vorhersage daher vorsichtshalber orakelhaft: Über Europa sei der Einfall Tausender Leoniden möglich, allerdings näherten sich Erde und Kometenbahn nur auf 1,2 Millionen Kilometer an - ein womöglich zu großer Abstand für eine Jahrhundertshow.

DER SPIEGEL 48/1998
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