12.09.2011

FUKUSHIMADas Dorf der Strahlenarbeiter

Es ist ein verbotener Ort, der Zutritt untersagt: In einem ehemaligen Fußballzentrum rüsten sich jeden Morgen jene Arbeiter, die das Katastrophen-Kraftwerk Fukushima Daiichi unter Kontrolle bringen sollen - ein Besuch im Vorhof des japanischen Ground Zero. Von Cordula Meyer
An Kilometerstein 231 ist Schluss: Barrikaden versperren die vierspurige Bundesstraße 6 nach Norden, hinter ihnen geht es zur Ruine des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi. Uniformierte schwenken Stoppschilder. In der Abenddämmerung zuckt ein rotes Leuchtband auf: "Kein Zugang … Katastrophenrecht".
Zwei Polizisten winken jeden verirrten Autofahrer mit roten Leuchtstäben energisch weg. Drei Kollegen blockieren die Abfahrt nach rechts. Wer sich zu Fuß nähert, wird mit Gebrüll gestoppt.
Insgesamt 20 Beamte bewachen diese Kreuzung, Tag und Nacht. Denn hier geht es zum J-Village, einem früheren Trainingszentrum der japanischen Fußballnationalmannschaft. Nach dem 11. März wurde das größte Fußballzentrum Japans zum Basislager für Japans seltsame Helden - für jene Arbeiter, die versuchen, das Kraftwerk Fukushima Daiichi unter Kontrolle zu bringen.
Mehr als tausend machen sich hier Tag für Tag fertig für die Schicht. Die Stromfirma Tepco, Betreiber des Katastrophen-AKW, hat die Sportanlage einst bezahlt. Seit diese zum Dorf der Atomarbeiter geworden ist, hat der Konzern Medien und Öffentlichkeit den Zugang verboten.
Passieren dürfen nur die Busse und Vans mit Tepco-Genehmigung an der Frontscheibe. Sie bringen Arbeiter zu den Reaktoren und wieder zurück ins J-Village. Durch die Scheibe sind die Köpfe der erschöpften Männer zu sehen: Viele sind auf dem gut halbstündigen Heimweg eingenickt.
In einem der Busse, die sich an diesem Nachmittag den Hügel zum J-Village hochquälen, sitzt Hitoshi Sasaki, 51, in einem weißen Tyvek-Anzug. Vor drei Wochen hat der Bauarbeiter hier angefangen. Seine Aufgabe ist es, vor den zerstörten Reaktoren eine Straße zu befestigen. Dazu muss er Stahlstreben im Boden verlegen, damit später ein 600 Tonnen schwerer Kran darauf stehen kann. Dieser soll dann eine Art Schutzhülle aus Plastik über die Ruinen ziehen.
Sasakis erster Stopp im J-Village ist die Sporthalle rechts vom Hauptgebäude. In langen Reihen marschieren Arbeiter in Schutzanzügen mit Masken heran. Am Eingang stehen Kartons: Sasaki zieht sich die Plastikhüllen von den Schuhen, sie kommen in den ersten Karton. Danach sind die Atemmaske, der weiße Schutzanzug aus synthetischem Papier und die Handschuhe dran, jeweils in einen anderen Karton.
Manche Arbeiter schleppen sich in die Turnhalle, kaum einer spricht. Einige straucheln, wenn sie sich bücken müssen, um die Plastikhüllen von den Schuhen abzustreifen, andere reißen ihren Schutzanzug mit beiden Händen auf, als ob je-de Zehntelsekunde zählte, um endlich den heißen Anzug ablegen zu können. In Reihen stellen sie sich danach zur Strahlenmessung an.
Die meisten Arbeiter tragen nur langärmelige dunkelblaue Unterwäsche unter den Anzügen. Wer besonders lange in der drückend-schwülen Hitze ausharren muss, darf unter dem Schutzanzug eine türkisfarbene Weste tragen. Kühlmittel darin soll die Männer vor dem Hitzekollaps bewahren. Mehrere Arbeiter sind schon zusammengebrochen, 13 kamen allein im August in einen Notfallraum vor den Reaktoren 5 und 6. Ein 60-jähriger Arbeiter starb im Mai vermutlich an einem Herzanfall.
Ein Team von angelernten Strahlenmessern prüft jetzt die Strahlenbelastung jedes Mannes. Die Kontrolleure tragen Schutzanzüge, blaue Hauben und Papiermasken. Unter dem Basketballkorb am Kopf der Turnhalle stehen Tapeziertische mit vier mobilen Geigerzählern, dahin-ter sind drei Strahlenmessgeräte fest installiert.
Die Kontrolleure halten klobige Apparate und blicken auf die Zeiger. Mit den Messfühlern fahren sie erst über den Kopf jedes Arbeiters, dann links und rechts die Arme entlang, die Brust, den Bauch, die Beine. Die Arbeiter stehen dabei auf einer Matte mit Klebefolie, an der radioaktive Partikel haften bleiben sollen. Viele von ihnen sind jung, sie sehen aus wie Anfang zwanzig, aber auch einige abgekämpfte alte Männer sind darunter.
Einer der Arbeiter findet, dass die Öffentlichkeit ein Recht darauf habe, zu erfahren, was im J-Village passiert. Deshalb redet er mit dem SPIEGEL, nur seinen Namen möchte er nicht preisgeben. Hier soll er Sakuro Akimoto heißen. An hektischen Tagen, sagt er, kämen mehr als 3000 Arbeiter durch die Messstation.
Eine Brigade ist pro Tag im AKW Fukushima Daiichi im Einsatz, um die havarierten Reaktoren unter Kontrolle zu bringen. Sie schuften bei Bullenhitze und gefährlich hoher Strahlung. Die maximale Jahresdosis für Arbeiter in japanischen Kraftwerken beträgt normalerweise 50 Millisievert. Tepco erhöhte die maximal erlaubte Dosis in Absprache mit den Behörden auf 250 Millisievert - hoch genug, um die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu erkranken, deutlich zu erhöhen.
Rund 18 000 Arbeiter haben seit dem 11. März geholfen, die Katastrophe zu bewältigen. Die meisten von ihnen sind nicht bei Tepco beschäftigt, sondern bei Subunternehmen, die ihre Leute ihrerseits über Zeitarbeitsagenturen rekrutieren. Viele dieser Aushilfen haben schon vorher in Atomkraftwerken die Drecksarbeit gemacht.
Den meisten geht es nicht darum, Japan zu retten, sondern darum, ihre Familie zu ernähren. Auch der Bauarbeiter Sasaki ist wegen des Geldes gekommen. Eine Fir-ma aus Hokkaido im Norden Japans, dort wohnt er, sprach ihn an. Als junger Mann hatte er in anderen Kraftwerken bei der Generalüberholung geholfen.
Jeden Morgen, sagt Sasaki, ziehe er im J-Village Anzug und Maske an, hinter dem Werkstor gibt es dann einen zweiten Stopp. Hier muss er eine Bleiweste anlegen, darüber einen weiteren Schutzanzug aus besonders dichtem Material, eine Schutzbrille, eine Maske, die das ganze Gesicht bedeckt, sowie drei verschiedene Paar Handschuhe übereinander. "Es ist so unerträglich heiß", sagt Sasaki. "Ich möchte die Maske am liebsten sofort herunterreißen, aber das ist nirgendwo erlaubt." Trotzdem gibt es immer wieder Berichte von Arbeitern, die die Maske abnehmen, etwa um zu rauchen.
Zuerst gibt es Besprechungen, bei denen jeder Arbeiter seine Aufgabe für den Tag erfährt. Danach fahren die Busse zum Reaktor ab. Hitoshi Sasaki darf nur eine Stunde pro Tag arbeiten, maximal 90 Minuten. Sonst bekommt er zu viel Strahlung ab. Danach geht es zurück ins J-Village und dann in seine Pension in Iwaki-Yumoto, wo er sich das Zimmer mit drei Männern teilt - insgesamt sechs Stunden ist er an einem solchen Tag unterwegs.
Sasaki ist klein, aber kräftig. Die Arme unter seinem schwarzen T-Shirt sind muskelbepackt. Sasaki erinnert sich genau, wie er Mitte August die verwüsteten Reaktorgebäude zum ersten Mal sah. "Es sieht dort viel schlimmer aus als im Fernsehen", sagt er. "Wie New York nach dem 11. September. Zerstörung überall."
Seiner Familie hat er nicht erzählt, dass er im Kraftwerk arbeitet. Er will nicht, dass sie sich Sorgen macht. Er selbst sorgt sich um etwas anderes: Er braucht das Geld, knapp 100 Euro am Tag. Doch wenn es so weitergehe, könne er diesen Job nur noch ein paar Wochen machen, dann wird er das Strahlenlimit seiner Firma erreicht haben.
Tepco richtet sich im J-Village für Jahrzehnte ein. Das große Fußballstadion und einige abseits gelegene Plätze haben Arbeiter mit Kies überschüttet. Darauf stehen nun Reihe an Reihe graue Wohncontainer, immer zwei übereinander in zwei Blöcken, 40 Container pro Reihe, bis direkt an die blauen Plastiksitze auf der Tribüne.
Dahinter prangt noch die große Anzeigetafel des Stadions. Die Stadionuhr ist um 14.46 Uhr stehengeblieben. In dem Moment riss das Erdbeben die Stromversorgung weg, auch im Kraftwerk 20 Kilometer weiter. Jetzt fließt der Strom wieder, weiße Neonröhren beleuchten die Containerreihen.
In einem Raum können sich die Arbeiter Bento-Boxen holen, daneben hat Tepco einen Waschsalon mit mehr als hundert Maschinen gebaut. Direkt hinter dem Hauptgebäude des J-Village parken die Busse auf ehemaligen Fußballplätzen, auf der Tartanbahn lagert Schutt in großen Plastiksäcken.
In den Innenhof des Hauptgebäudes hat Tepco einen kleinen Laden bauen lassen, dort können die Arbeiter Zigaretten und Tee bekommen. Einige haben sich, noch in ihren Arbeitsoveralls, um die Aschenbecher versammelt und rauchen schweigend. An einer der Türen kleben Adidas-Werbung und ein Warnschild aus einer anderen Zeit: "Keine Stollenschuhe!" Ein übermüdeter Arbeiter hat sich zum Schlafen in den Flur auf den Fußboden gelegt.
Im Fenster des Atriums hängen riesi-ge Banner von Tepco Mareeze, dem Fußballclub, der Tepco gehört. Im Zentrum des Gebäudes steht ein großer weiß-grüner Plan des J-Village. Der sollte einmal Sportlern helfen, sich zurechtzufinden. Jetzt trägt hier ein Mann in Tepco-Uniform mit rotem Filzstift die aktuellen Strahlenwerte für ein gutes Dutzend Punkte auf dem Gelände ein. Gegenüber sitzen drei Tepco-Leute vor ihrem Laptop. Bei ihnen geben die Arbeiter ihre Tagesdosimeter ab. Sie bekommen dann auf einer Art Kassenbon die Quittung über die Strahlendosis des Tages.
In den Gängen hängen große gerahmte Fotografien berühmter Momente der Fußballgeschichte. Auf einer ist der deutsche Torwart Manuel Neuer zu sehen, beim WM-Achtelfinalspiel der deutschen Mannschaft gegen England 2010.
Draußen auf einem überdachten Fußballfeld sind acht Tore einfach ineinandergestellt. An einer Latte hängt Arbeiterunterwäsche zum Trocknen. An den rohen Beton am Eingang hat jemand mit rosa Klebeband ein Schild geklebt: "Vorsicht! Kontaminiertes Material". Vier, fünf Meter hoch türmen sich da gebrauchte Schutzanzüge und Masken.
Ein gebeugter Mann in weiß-blauer Uniform führt in die hintere Ecke: Dort liegt strahlender Dreck in einer Art Gummibecken. Der Mann sagt, der Schmutz sei von Autos abgespült worden, die nahe am Reaktor gewesen seien. Jemand hat mit Klebeband Markierungen auf den Kunstrasen geklebt, wie sie sonst Sport-ler benutzen, um ihren Anlauf festzulegen. Nur dass Arbeiter Strahlenwerte aufs Klebeband geschrieben haben. Mit je-dem Meter, den man sich dem Becken nähert, steigen die Werte: 4,5 Mikrosievert, 7,0 und dann schließlich, einen Meter entfernt: 20 Mikrosievert.
Auf diesen Platz bringen die Männer vom Strahlenmessteam aus der Turnhalle alle paar Minuten neue Säcke voller Abfall. Die Arbeit hier im J-Village ist ungefährlicher als am Reaktor. "Es gibt zwei Arten von Jobs", sagt Sakuro Akimoto. "Im J-Village viele Stunden bei weniger Strahlung oder in Daiichi wenige Stunden, aber dafür bei zehnfach oder hundertfach höherer Strahlung." Akimoto ist hochgewachsen und drahtig, er trägt die Haare kurz und liebt lässige Jeans. Er fing vor 30 Jahren, direkt nach der Schule, bei einer Firma an, die Wartungsarbeiten für Tepco erledigt.
In seinem Heimatdorf nahe dem Kraftwerk gab es kaum andere Jobs. Am 11. März arbeitete er im Werk und konnte rechtzeitig vor dem Tsunami fliehen. Sein Dorf wurde evakuiert, ein paar Wochen danach "bekam ich die Order hierherzukommen. Egal ob es mir gefällt". Aber er habe sich auch verantwortlich gefühlt, weil das Werk so viele Arbeitsplätze in die Region gebracht habe. Im Messteam arbeiten sie nun in drei Schichten rund um die Uhr.
Oft sehe er Arbeiter "am Limit - nicht nur körperlich, sondern auch mental". Die meisten Jobs seien einfache Drecksarbeit. Viele seiner Kollegen bei Subunternehmen hätten keine Wahl: "Wenn die Nein sagen, wo kriegen die dann noch einen anderen Job?", fragt er. "Ich kenne keinen, der es für Japan macht. Die meisten brauchen das Geld."
Hochqualifizierte wie Sakuro Akimo-to werden, so irgend möglich, nur vergleichsweise geringen Strahlenrisiken ausgesetzt. Denn sie werden später noch gebraucht.
In einem internen Papier warnt die Atomkontrollbehörde Nisa, bald werde es an Technikern mangeln, weil zu viele ihr Strahlenlimit überschritten hätten. Schon im nächsten Jahr, damit rechnet Nisa, werden 1000 bis 1200 qualifizierte Facharbeiter fehlen, "wodurch die Arbeit in Fukushima Daiichi und in den Kernkraftwerken im ganzen Land stark beeinträchtigt wird".
Die Lösung der Kontollbehörde: Höhere Grenzwerte. Die Arbeiter sollten innerhalb weniger Jahre weitaus größeren Strahlenmengen als bisher ausgesetzt sein dürfen.
Bis Mitte August wurden 17 561 Mann im Gesundheitsministerium als Strahlenarbeiter erfasst. Ihre Gesundheit soll später in einer Studie überwacht werden. Sechs von ihnen wurden über das hohe Limit von 250 Millisievert hinaus verstrahlt. Mehr als 400 Menschen waren mehr als den normalerweise erlaubten 50 Millisievert ausgesetzt.
Und bei manchen Leuten weiß Tepco es schlicht nicht: Die Firma kann trotz monatelanger Nachforschungen 88 Arbeiter nicht mehr finden, die von März bis Juni im Kraftwerk gearbeitet haben. Die Firma hatte Zugangsausweise einfach an Subunternehmer ausgeteilt, ohne die Arbeiter je persönlich zu treffen. Erst seit kurzem gibt es Arbeitsausweise mit Barcode und Foto.
Hiroyuki Watanabe ist Stadtrat in Iwaki, der Stadt südlich vom J-Village. Er versucht schon seit zwei Jahren zu ermitteln, wo Tepco seine Arbeiter anwirbt. "Die Struktur ist zwielichtig", sagt Watanabe. "Es ist erstaunlich, dass eine der größten Firmen Japans ein solches Geschäftsgebahren zeigt."
Tepco jedoch hat seine Arbeiter auch früher schon auf undurchsichtige Weise akquiriert. Toshiro Kitamura vom Japanischen Atomindustrieforum kritisierte bereits 2008, dass die japanischen Stromversorger "die meisten ihrer Wartungsarbeiten an vielschichtige Subunternehmen outsourcen". Die Bedenken des Industriefachmanns galten allerdings dem Sicherheitsrisiko: Diese Arbeiter kennen sich natürlich mit den Reaktoren nicht so aus wie Stammkräfte.
Tepco plane Summen von bis zu 1000 Euro pro Tag für Arbeiter ein, sagt Stadtrat Watanabe. Bei den einfachen Arbeitern kämen davon aber oft nur rund 100 Euro an. "Das sind Männer, die arm oder alt sind, keinen festen Job haben und wenig andere Optionen, einen zu finden." Manch einer habe nicht einmal einen schriftlichen Arbeitsvertrag. Und wenn er dann sein Strahlenlimit erreicht hat, verliere er eben seinen Job, und die Zeitarbeitsagentur schaffe Ersatz.
Stadtrat Watanabe will sich dafür einsetzen, dass alle Arbeiter anständig bezahlt werden. Auch für Arbeiter auf den untersten Stufen soll es eine Gewerkschaft geben. "Wenn wir ein Problem haben, können wir nirgends hin", sagt ein junger Arbeiter, der im Restaurant Hazu in Iwaki-Yumoto zusammen mit sieben Kollegen zu Abend isst. Dazu gibt es Bier, Sake und viele Zigaretten. Die Männer wollen eigentlich nicht über das Werk reden und tun es dann doch. Sie erzählen von ihrer Familie und von der Angst vor den Strahlen und deren Folgen.
Nebenan im Waschsalon stopft der 24-jährige Yutaka seine Socken und T-Shirts in die Maschine. Er trägt karierte Shorts und ein Polohemd mit dazu passendem Kragen. In seinem Pensionszimmer addiert er jeden Abend seinen aktuelle Strahlenbelastung.
"Ehrlich gesagt, macht meine Frau sich schon Sorgen", sagt er. Ans Aufhören denkt er trotzdem nicht: "Einer muss es ja machen." Yutaka beaufsichtigt den Pausenraum. Seine Frau ist weit weg untergebracht, seit sie evakuiert wurden. "Ich weiß nicht, ob wir je wieder zurückkehren können."
Die Arbeiter bestimmen das Stadtbild von Iwaki-Yumoto. Die Kleinstadt am südlichen Rand der Sperrzone war für ihre heißen Quellen bekannt. Viele Touristen kamen zu den sogenannten Onsen. Jetzt gibt es keine Touristen mehr, und auch viele Einwohner sind geflohen. Die Onsen sind trotzdem vollbesetzt - mit Arbeitern. Zwischen 1000 und 2000 lebten jetzt hier, sagt ein Hotelier der Stadt. Aber bald sollen viele von ihnen umziehen in neue Container auf den Spielfeldern des J-Village.
Einer der Arbeiter in Iwaki-Yumoto stammt aus dem inzwischen verlassenen Ort Tomioka in der Sperrzone, er raucht Marlboro Menthol, seine Arme und Beine sind über und über tätowiert. Tagsüber schraubt er nun vor Reaktor 4 Plastikrohre für das Dekontaminierungssystem zusammen.
Das Schwerste für ihn, sagt er, sei der tägliche Weg zur Arbeit. Der Bus fährt ihn täglich zweimal an seinem Haus und auch direkt an der Kneipe vorbei, in der er früher immer Pachinko spielte, das japanische Flipperspiel. "Ich fühle mich traurig, wenn ich das alles so leer sehe." Er sagt, er träume davon, irgendwann dort wieder Pachinko zu spielen.
Von Cordula Meyer

DER SPIEGEL 37/2011
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