01.10.2011

NAZI-VERBRECHERHalbe Wahrheit

Im Fall des NS-Verbrechers Alois Brunner hat der Bundesnachrichtendienst (BND) den Bundestag, das Bundeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft in Frankfurt am Main irregeführt. Das geht aus jetzt freigegebenen Unterlagen der Bundesregierung hervor. Brunner war engster Mitarbeiter Adolf Eichmanns und mitverantwortlich für die Deportation von über 120 000 Juden in Konzentrations- und Vernichtungslager. Nach dem Krieg floh er nach Syrien. Seit Jahren hält sich das Gerücht, er habe dort mit dem BND kooperiert. 1997 fragten daher sowohl das Bundeskriminalamt als auch die Staatsanwaltschaft Frankfurt an, was der Dienst über den Aufenthalt Brunners wisse. Antwort des BND: Er habe "keine personenbezogenen Daten erfasst". So ist es auch auf einem Sprechzettel vermerkt, den 1999 der damalige BND-Präsident August Hanning in der Parlamentarischen Kontrollkommission des Bundestags verwendete. Doch die Auskunft war allenfalls formal korrekt - der BND hatte nämlich zuvor seine insgesamt 581 Seiten umfassenden Brunner-Akten entsorgt. Die Gründe sind bis heute unbekannt.

DER SPIEGEL 40/2011
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