31.10.2011

MEDIZIN„Unveränderte Sterblichkeit“

Der Gesundheitsökonom Andrew Farlow, 46, von der Oxford University über einen angeblich sensationellen neuen Malaria-Impfstoff
SPIEGEL: Das Vakzin wurde als Durchbruch gefeiert. Zu Recht?
Farlow: Ich habe mich gewundert über die Schlagzeilen. Wer sich die Daten genau anschaut, der kann darin keinen Grund für Euphorie erkennen.
SPIEGEL: Wie wirksam ist denn der Impfstoff mit der Bezeichnung RTS,S?
Farlow: Er scheint die schwere Malaria um rund ein Drittel zu reduzieren. Die Sterblichkeit blieb unverändert. Dabei fordert die Malaria-Impfinitiative selbst, dass ein Vakzin Erkrankungen und Sterblichkeit um 50 Prozent reduziert. Der neue Stoff löst das nicht ein.
SPIEGEL: Hat das Mittel Nebenwirkungen?
Farlow: Ein wohl erhöhtes Auftreten von Hirnhautentzündungen und Krämpfen war zu beobachten. Das muss sorgfältig untersucht werden.
SPIEGEL: Ist die Bill & Melinda Gates Foundation also zu früh an die Öffentlichkeit gegangen?
Farlow: Es wäre sinnvoll gewesen, vor öffentlichen Aussagen die Wirksamkeit genauer abzuklären. Dann muss entschieden werden, ob weitere Forschungsgelder sinnvoll angelegt sind. Das große Aufsehen jetzt könnte diese Entscheidung beeinflussen. Außerdem muss ein potentieller Impfstoff, der nur teilweise wirkt, mit anderen Methoden, etwa Moskitonetzen, kombiniert werden.
SPIEGEL: Ein Vakzin würde diese Mittel nicht überflüssig machen?
Farlow: Auf keinen Fall. Die Weltgesundheitsorganisation hat unlängst einen deutlichen Rückgang der Malaria-Sterblichkeit vermeldet, was darauf hindeutet, dass auch die konventionellen Methoden einen gewissen Erfolg haben. Schnellerer Zugang zu medizinischer Behandlung, etwa durch Mobiltelefone, und bessere Malaria-Medikamente haben einen ebenso positiven Effekt.

DER SPIEGEL 44/2011
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