05.12.2011

ESSAYDoktor Wenn und Doktor Aber

Die Figur des Hochstaplers gehört ins Zentrum der modernen Kultur. Von Peter Sloterdijk
Man darf unterstellen, Thomas Mann hätte sich im Stillen ganz außerordentlich über die Affäre erheitert, die im Februar 2011 die Bundesrepublik erschütterte, als man einem damaligen deutschen Minister, einem gewissen Herrn zu Guttenberg, eine beeindruckende Fülle von unmarkierten Übernahmen langer und kurzer fremder Textstücke in seiner Dissertation zu einem verfassungsrechtlichen Gegenstand nachwies. Er hätte sich sicher fürstlich amüsiert bei dem Gedanken, dass ein Mann mit einem so gutentwickelten Krull-Faktor es bis an die Spitze des Verteidigungsministeriums eines mächtigen Landes bringen konnte; eines Landes, dessen Armee noch ein gutes halbes Jahrhundert zuvor die Welt in Furcht und Schrecken versetzt hatte. Ja, der aktuelle Krull war gerade rechtzeitig ins Amt gekommen, um in Übereinstimmung mit der außenpolitischen Lage der Nation die Truppen zu verkleinern und um im Einklang mit dem Geist der Zeit auch für Soldaten im Kampfeinsatz den fälligen Übergang zu postheroischen Orientierungen zu vollziehen.
Gar keine Grenzen hätte Thomas Manns Erheiterung gekannt, hätte er erfahren, dass sich der inkriminierte Vorgang an einer Bayreuther Universität abgespielt hatte - einer Einrichtung, die es zu seinen Lebzeiten zwar noch nicht gegeben hatte, aber deren Lage auf der kulturellen Landkarte zu besonderen Erwartungen berechtigt. Ausgerechnet Bayreuth! Ein starker Coup! Es mochte noch angehen, dass Felix Krull sich durch einen vorzüglich gespielten epileptischen Anfall vor dem Musterungsarzt dem Militärdienst entzog. Aber dass ein junger Politiker durch eine nicht allzu gut gefälschte rechtswissenschaftliche Arbeit sich akademische Ehren erwarb - das bringt eine neue, zugleich gefährlich plumpe, nahezu makabre Farbe ins krullsche Spiel. Nichtsdestoweniger, müsste der Romancier bei sich gedacht haben, es passt letztlich nicht übel zum Genius Loci. Ja, um die Wahrheit zu sagen, diese Bayreuther Posse hätte kein superkluger Regisseur, kein auf Provokation sinnender Artdirector sich besser ausdenken können: Ist diese Stadt doch seit der Invasion des Wagner-Clans ein Wallfahrtsort für viele, die jeden Preis bezahlen, um auf dem höchsten Stand der Kunst betrogen zu werden - oder um es sensibler auszudrücken, ist sie doch ein Magnet für jene spendablen und leidensbereiten Zeitgenossen, denen kein Stuhl zu hart und keine Aufführung zu lang ist, solange sie sich zum Menschenrecht der Illusion bekennen, überzeugt wie sie sind, dass es letztlich keinen anderen Halt gibt als jenen, den ein unbeirrbarer Glaube an den schönen Schein gewährt.
Mit Exkursionen ins weite Land der Ironie ist die vorliegende Affäre nicht abzutun. Man verrät kein Geheimnis, wenn man feststellt, dass auch die moderne Universität im Allgemeinen seit langem - vorsichtig gesprochen - mit einem Seriositätsproblem ringt. Die Bayreuther Affäre hat allenfalls ein winziges Segment einer Verlegenheit sichtbar gemacht, deren historisches und systemisches Ausmaß kaum jemand realistisch abzuschätzen weiß. Auch hier läge es nahe, bis zu der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts zurückzugehen und über die Rolle der nationalisierten Wissenschaften im Großen Krieg zu forschen. Was man hierbei entdeckte, sind zahllose Belege, die von der verlorenen Unschuld der Fakultäten Zeugnis geben, in den Naturwissenschaften nicht anders als in den Geisteswissenschaften. Bemerkenswert ist allerdings, dass es in den Wissenschaften kein Pendant zum Dadaismus gegeben zu haben scheint - als ob ihre Träger keinen Bedarf erkannt hätten, die Grundlagen ihres Tuns angesichts des Zivilisationsbruchs von 1914 neu zu prüfen. Allenfalls könnte man die phi-
losophischen Interventionen des Wiener Kreises als einen Versuch begreifen, auch für die Erkenntnistheorie eine Nullpunktsituation herbeizuführen, um alles künftige wissenschaftliche Reden einem Hygieneprogramm beziehungsweise einer logisch-empiristischen Sinn-Disziplin zu unterwerfen. Dass solche Interventionen auf europäischem Boden wenig fruchteten, braucht hier nicht ausgeführt zu werden, und was sie anderswo bewirkten, gehört in eine andere Untersuchung.
Man müsste sehr naiv sein, wollte man annehmen, dass die Studierenden und Lehrenden von heute beim Betreten einer Universität aufhörten, Kinder ihrer Zeit zu sein - und die Zeit weist alle Merkmale eines Trainingslagers für krullsche Subjektivitäten auf. Der akademische Raum kann sich hiergegen nicht einfach immunisieren. Es gehört zu den Feinheiten der deutschen Hochschulsprache, dass sie das Ansammeln von beglaubigten Leistungen im Lauf eines Studiums geradeheraus als Scheinerwerb bezeichnet - was insofern als terminologisch wertvoller Hinweis zu würdigen ist, als zwischen einer authentischen Kompetenz, was immer das sein mag, und einer umfassenden Simulation derselben Kompetenz kein essentieller Unterschied nachzuweisen ist. Man könnte dies an einigen bekannten Beispielen von falschen Ärzten illustrieren, die jahrelang täglich mit gutem Erfolg schwierigste Operationen durchführten, bis sich eines Tages herausstellte, dass sie hierzu nicht qualifiziert waren.
Um die spezifische Differenz des akademischen Plagiats von allen sonstigen Fällen der Missachtung "geistigen Eigentums" zu erfassen, muss man die unverwechselbare Eigenart der akademischen Prozeduren in den Blick nehmen. In äußerer Sicht erscheint die universitäre Welt als ein Biotop, das auf die Hervorbringung von zumeist bizarren und durchweg unpopulären "Textsorten" spezialisiert ist. Die reichen von Seminarreferaten und Semesterarbeiten über Diplomarbeiten, Magisterarbeiten und Examensarbeiten bis hin zu Dissertationen und Habilitationsschriften, um von den Gutachten, den Forschungsanträgen, den Memoranden, den Struktur- und Entwicklungsplänen und dergleichen nicht zu reden: allesamt textuelle Gewächse, die ausschließlich im Binnenklima der Akademia gedeihen - hochalpinen Kriechpflanzen vergleichbar, die jenseits der Baumgrenze überleben und die in der Regel einer Umpflanzung ins publizistische Flach- und Freiland nicht fähig sind. Die Gesamtleistung der akademischen Schriftsachenproduktion besitzt einen schlechterdings unfassbaren Umfang, sie hat geradewegs Tsunami-Charakter - um die zurzeit plausibelste Massenmetapher zu benutzen. Mit ihrem jährlichen Output von Milliarden und Abermilliarden bedruckter Seiten stellt sie einen paradoxen Tsunami vor, der keine sichtbare Küste überschwemmt, sondern ausschließlich im Inneren der intellektuellen Institution tobt, von der Mitwelt so gut wie unbemerkt.
Das akademische Plagiieren findet daher zumeist unter Bedingungen statt, bei denen die gewöhnlichen Motive bei der Missachtung geistigen Eigentums, das vielgenannte Sich-mit-fremden-Federn-Schmücken, kaum eine Rolle spielen. Während fremde Federn im offenen Gelände die Attraktivität des Trägers verbessern und seine erotische Fitness erhöhen sollen, um es im Jargon der Biologen auszudrücken, dienen fremde Federn innerakademisch viel eher zur Tarnung und zum Abtauchen in der Üblichkeit. Sie tragen zum Unbemerktbleiben des Federnträgers in den gleichmäßig strömenden Textmassen bei. Michel Foucault hat diese Situation schon zu Beginn der siebziger Jahre auf den Begriff gebracht, als er den Ausdruck "Diskurs" in die Selbstbeschreibung der akademischen Textproduktionen einführte. Was er Diskurs nennt, ist nichts anderes als der autorlose Text, das Fachgerede als Institution. Diese Deutung der akademischen und allgemein der institutionellen Rederoutinen erschließt uns den nicht-tibetischen Weg zum Prinzip der Gebetsmühle. Er deutet auf eine Worte-Emission ohne Grundlage in irgendwelchen Tatsachen des Bewusstseins. Daher sollte über Plagiate schweigen, wer über Diskurse nicht reden will.
Die Aufhebung des Plagiats im Diskurs reicht allerdings nicht zu, um die Besonderheit des akademischen Plagiierens auszuschöpfen. Es kommt in diesem Fall zusätzlich ein durchweg idiosynkratisches Element ins Spiel, zu dessen Verständnis man am besten den Rat der Literaturwissenschaft einholen sollte. Wolfgang Iser, der eminente Vertreter der historisch gewordenen Konstanzer Schule, hat mit seinem Buch "Der implizite Leser" aus dem Jahr 1972 sein eigenes Fach und die Humanities im Allgemeinen wenn nicht revolutioniert, so doch weit vorangebracht, indem er den Nachweis führte, dass man in jedem Text eine intime Komplizenschaft zwischen dem Autor und dem hypothetischen Leser aufweisen kann - eine Liaison, die durch die Lektüre aktiviert wird. Lesen heißt demnach, dem Text innewohnende Appellstrukturen zum Leben erwecken und sich dem Spiel von Ansprache, Vorausdeutung, Irreführung, Verweigerung und Vereinnahmung hingeben. Jeder elaborierte Text bildet ein Gefüge aus rezeptionslenkenden Zeichen, die der Leser, sofern er wirklich liest, willig unwillig inszeniert. Analoge Intuitionen hat Umberto Eco in seinem Buch "Lector in fabula" 1979 zu einer animierenden dialogischen Theorie der Lektüre ausgebaut.
Aus der Perspektive der akademischen Verhältnisse von heute erscheinen die subtilen Analysen der Rezeptionsästhetiker wie Erinnerungen an ein sehr fernes goldenes Zeitalters des Lesens, als jeder Text quasi noch ein Brief war und jeder Brief quasi ein "billet doux". Kein Akademiker wird es leugnen: Es ist an der Zeit, die Theorie des impliziten Lesers durch die des impliziten Nicht-Lesers zu ergänzen. Die Zustände dürften halbwegs getroffen sein, wenn man von der Annahme ausgeht, dass inzwischen 98 bis 99 Prozent aller akademischen Textproduktionen in der wie auch immer berechtigten oder unberechtigten Erwartung des partiellen oder völligen Nichtgelesenwerdens verfasst werden. Illusorisch wäre es zu glauben, dies könne ohne Rückwirkung auf die Verfasserethik bleiben.
Für Menschen einer Kultur, die sie in nahezu allem anleitet, die Regel zu befolgen und nicht zu befolgen, ergibt sich hieraus die fast zwingende Konsequenz, dem Nicht-Leser zu geben, was ihm gebührt - und wenn es der eigene Prüfer oder die Deutsche Forschungsgemeinschaft wäre. Der implizite Nicht-Leser wird mit abwinkenden Gesten paradox angesprochen und ist dem Text als derjenige, der ohnehin nicht hinschaut, inhärent. Wer ohne Aussicht auf Rezeption schreibt, neigt obendrein unwillkürlich dazu, im eigenen Produkt fremde Passagen einzubauen, die für die akademische Variante der Nicht-Lektüre insofern prädestiniert sind, als sie durch möglicherweise stattgehabte Lektüren an anderer Stelle vorgeprüft sind. Auf diese Weise generiert das akademische Schattenreich eine Textwelt zweiter Ordnung, in der jüngere real Ungelesene ältere virtuell Ungelesene in Umlauf halten.
In diesem System führt die unerwartete reale Lektüre zur Katastrophe. Interessant ist hierbei, dass das, was reale Lektüre genannt wird, angesichts der monströsen Lawinen akademischer Schriftsachen kaum noch durch natürliche Leser geleistet werden kann. Es sind inzwischen die digitalen Lesemaschinen und die spezialisierten Suchprogramme, die überhaupt imstande sind, als Statthalter des authentischen Lesers mit einem Text ins Gespräch oder Nicht-Gespräch zu kommen. Der menschliche Leser, nennen wir ihn den Professor, fällt dagegen ab. Auch und gerade als akademischer Mensch ist der Fachmann längst dazu verurteilt, ungleich viel mehr ein Nicht-Leser als ein Leser zu sein.
Die praktische Konsequenz hieraus kann nur darin bestehen, die systemischen Anreize zur hochstaplerischen Textproduktion zu reduzieren. Am besten geschieht dies dadurch, dass man die praktisch ungelesenen Autoren Akademie-immanenter Texte von heute und morgen nachdrücklich an die digitalen Sittenwächter erinnert, die, weil sie automatisch lesen, die Differenz zwischen Plagiaten und Zitaten unerbittlich erkennen. Es wäre ein Irrweg, die unmarkierten Zitate zu legalisieren, wie manche Vertreter der akademischen Piratenromantik fordern. Die Zitierkultur ist die letzte Linie, an der die Universität ihre Identität verteidigt. Mag sie jetzt auch durch eine neue Welle von hochstaplerischen Subjektivitäten herausgefordert werden, die sich digital, ironisch und piratisch einkleiden: Man muss den neuen Spielern, die mit dem Regelwerk des Minimums an ernster Arbeit ihre Scherze treiben, klarmachen, wo die Grenze liegt. Die Kultur kommt auf Gänsefüßchen: Das Anführungszeichen ist die Höflichkeit des Piraten.
Eine abschließende Anekdote soll zeigen, dass man nicht immer Suchprogramme braucht, um bei einem gänzlich dem Nicht-Leser gewidmeten Text die Katastrophe auszulösen. So kürzlich geschehen mit einem Essay zur Theorie des Sammelns aus der Feder des eminenten österreichischen Museumsmachers, Künstlers und Kunsttheoretikers Peter Weibel, unter dessen Leitung das Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie im Lauf von dreizehn Jahren zu einer weltweit bedeutenden Adresse geworden ist.
Weibel dürfte, was das passive Plagiat angeht, einer der größten Experten der zeitgenössischen Kunstwelt sein, nicht zuletzt deswegen, weil er sich von früh an nicht damit begnügte, Kunstwerke und Kunstaktionen zu produzieren, die zahlreiche Nachahmer fanden. Er setzte auch künstliche Künstler in die Welt und sah ihren Evolutionen zu.
Dies gelang ihm namentlich mit seiner früheren Wiener Lebensgefährtin Waltraud Höllinger, für die er 1967 das Label Valie Export entwarf und die er als Agentin konzeptueller Weiblichkeit für eine Reihe von spektakulären Kunstaktionen auf den Markt brachte - man denke etwa an den Auftritt mit dem Brüste-Betastungskasten im Ersten Bezirk der österreichischen Hauptstadt. Und bald schon passierte, dass die erfundene Künstlerin sich ihrem Erfinder klaute und unter dem ironischen Markennamen zunehmend ernsthaft Karriere machte. Man darf annehmen, dass Peter Weibel es hin und wieder bereut hat, seine Konzeptkunstfrau nicht mit der gängigeren Unterschrift "Ohne Titel" auf den Markt gebracht zu haben.
Wer diese Geschichte kennt, wird sich über die folgende vielleicht etwas weniger wundern - an der alle Details stimmen bis auf die maskierten Namen. Auch sie erzählt von der Einsamkeit der ungelesenen Texte - und von der Katastrophe, die hereinbricht, wenn der implizite Nicht-Leser zur Unzeit von einem realen Leser überrascht wird.
Eines Tages erhält Peter Weibel einen Katalog zugesendet, in dem der bekannte Kunstsammler Dr. Wendelin Wenn seine Sammlung präsentiert. Wie üblich gibt es zu diesem Katalog einen Einleitungstext, im gegebenen Fall aus der Feder von Dr. Wenn persönlich. Weibel kann es nicht lassen, diesen Text zu lesen, denn Sammlungstheorie ist für einen Museumsmann a priori interessant - ohne Rücksicht darauf, dass Katalogtexte in puncto Ungelesenheit es üblicherweise mit den verlorensten akademischen Arbeiten aufnehmen. Bei fortschreitender Lektüre drängt sich ihm der Eindruck auf, er kenne das Stück von irgendwoher. Er geht in sein Archiv, nimmt ein Dokument hervor und vergleicht: Der Aufsatz stammt Wort für Wort von ihm selbst. Nun ruft er den Dr. Wenn an, dem die ganze Sache natürlich schrecklich peinlich ist. Tatsächlich, so gibt er zu, habe er, aus Zeitnot, einen befreundeten Kunsthistoriker, den bekannten Dr. Antonio Aber, um den Gefallen gebeten, die Einleitung zu dem Katalog an seiner Stelle zu verfassen, gegen sehr gutes Honorar und unter dem Siegel der Diskretion.
Weibel setzt sich mit Dr. Aber, mit dem er ebenfalls gut bekannt ist, in Verbindung und bittet ihn um Aufklärung: Wie konnte ein Aufsatz aus seiner, Weibels, Feder auf dem Umweg über ihn, Aber, zu einem Essay werden, der unter dem Namen von Wenn im Katalog erschien? Auch Dr. Aber ist verlegen.
Er selber hatte damals ebenfalls keine Zeit und bat einen seiner Studenten, gegen geringes Entgelt irgendetwas zu machen, keine große Sache und ohne jedes Risiko, da es sowieso niemand lesen werde. In dieser Handlungskette erweist sich der Student nun als erster wirkliche Zeitgenosse: An seinem Computer unternimmt er eine schnelle Recherche, nach ein paar Klicks findet er im Netz einen ziemlich interessanten Aufsatz von einem gewissen Peter Weibel, der sich bei früherer Gelegenheit zur Sache geäußert hatte. Der Rest ist mit einigen weiteren Klicks erledigt. Nie wäre der Vorgang ans Licht gekommen, wäre nicht etwas passiert, was auch im Zeitalter der vereinsamten Texte hin und wieder geschieht: dass der Autor per Zufall als einziger Leser auf sein eigenes Werk zurückkommt.
Die Moral der Geschichte liegt auf der Hand. Wir müssen den Texten, die für den impliziten Nicht-Leser geschrieben sind, bis zuletzt die reale Lektüre androhen, auf die Gefahr hin, dass uns die piratischen Autoren von heute für gestrige Hochstapler halten, die mit etwas drohen, dessen Wahrmachung sie nicht gewährleisten können.
Man sollte am Eingang aller Fakultäten das Schild anbringen: Cave lectorem! Für Nicht-Lateiner: Vorsicht, bissiger Leser! Mit dieser Mahnung mag beginnen, was Wohlgesinnte die Arbeit an einer neuen Ethik des wissenschaftlichen Verhaltens nennen.
Der vorliegende Text ist Teil einer Rede, die der Philosoph Peter Sloterdijk, 64, Ende November an der Universität Bayreuth zur Eröffnung einer zweitägigen Konferenz über Wissenschaftsethik und geistiges Eigentum gehalten hat.
(*) Mit Ilse Steppat und Ingrid Andree.
Von Peter Sloterdijk

DER SPIEGEL 49/2011
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