17.12.2011

THEATERSchwarz und weiß

Der US-Dramatiker Bruce Norris, 51, hat die Aufführung seines mit dem Pulitzer-Preis gekrönten Stückes "Clybourne Park" im Berliner Deutschen Theater verboten. Als Begründung gibt er an, ihm passe die Besetzung nicht - ein äußerst seltener Vorgang. "Norris schrieb mir in einer Mail, dass wir sein Stück nur spielen dürften, wenn wir die beiden Hauptrollen mit schwarzen Schauspielern besetzen, wie er es vorgesehen hat", berichtet der Regisseur Rafael Sanchez. "Das konnte und wollte ich nicht." In der Version von Sanchez, 36, sollte nur ein einziger dunkelhäutiger Schauspieler mitmachen, alle anderen Figuren wären von Bleichgesichtern gespielt worden. So ist die für den 22. Januar vorgesehene Berliner Premiere des Stückes, das die Rassenkonflikte im Amerika des Jahres 1959 und im Jahr 2009 gegenüberstellt, geplatzt. Der aus der Schweiz stammende Sanchez hat das Stück als "Absprungfläche" nutzen wollen, um zu erzählen, "wie auch in Europa die Emanzipationskämpfe und das politische Bewusstsein aus der Jugend unserer Eltern wie weggewischt sind". Nun zeigt sich, wie groß die Kluft zwischen der angelsächsischen Auffassung von realistischem Theaterhandwerk und dem Berufsverständnis von Regisseuren im deutschsprachigen Regietheater sein kann.

DER SPIEGEL 51/2011
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