23.12.2011

THEATERAlles Fritsch!

Das Regie-Wunderkind des Theaterjahrs 2011 ist 60 Jahre alt und heißt Herbert Fritsch. Bekannt wurde der gebürtige Augsburger einst als Schauspieler an Frank Castorfs Volksbühne und als Experimentalfilmer. Beim Berliner Theatertreffen aber hat Fritsch mit gleich zwei Inszenierungen abgeräumt - weil er dem deutschen Stadttheater eine lange verlorengegangene Tugend wiedergeschenkt hat: Humor. Bei Fritsch ist er meistens laut und slapstickhaft und grell geschminkt, fürs Theatertreffen hatte er eine Spaßversion von Ibsens Ehedrama "Nora" aus Oberhausen und einen Schnelldurchlauf durch Hauptmanns "Biberpelz" im Gepäck. Ist er stolz darauf, das deutsche Regietheater aus einer schlimmen Verkrampfung erlöst zu haben? "Ja, ich verstehe mich als Erlöserregisseur, ich mache Heiltheater, Wunderheiltheater", sagt Fritsch, der Theatermann des Jahres. "Selbst mein eigenes Leben und meine Arbeit haben sich durch meinen unerwarteten Erfolg komplett verändert. Ich wache anders auf, ich gähne anders, ich frühstücke erhobenen Hauptes. Ich arbeite jetzt ganz ohne Angst und beglücke meine Umwelt mit schlauen Sprüchen." Dass ihn ausgerechnet der Regisseur Claus Peymann trotzdem zornig als Regie-Nichtskönner schmähte und ihm die Rückkehr zur Schauspielerei empfahl, gibt Fritsch zu denken: "Ich nehme diesen Rat sehr ernst. Aber wenn, dann spiele ich nur unter mir oder unter ihm."

DER SPIEGEL 52/2011
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