16.01.2012

KUNST„Ohne Schadenfreude“

Der Künzelsauer Unternehmer und Sammler Reinhold Würth, 76, über die Präsentation der "Schutzmantelmadonna" von Hans Holbein, die er von den Erben des Hauses Hessen erworben hat
SPIEGEL: Sie zeigen das Madonnenbild vom Sonntag kommender Woche an im Ausstellungshaus Johanniterkirche in Schwäbisch Hall. Seit 2004 hat das Renaissancebild im Städel Museum in Frankfurt am Main gehangen. Gehört ein solch bedeutendes Werk in die Provinz, in Privatbesitz?
Würth: Das hier ist keine Provinz. Sie erreichen innerhalb von einer Autostunde sechs Opernhäuser. In der Kunsthalle Würth hatten wir bei unserer letzten Ausstellung mehr als 200 000 Besucher. Natürlich ist dieses Werk bedeutend, eine Bereicherung für mich, für die Öffentlichkeit.
SPIEGEL: Sie haben das Gemälde für angeblich mehr als 50 Millionen Euro erworben, sprechen aber nicht über den Preis. Weil es auf der Liste der zu schützenden Kulturgüter steht, darf es nicht ins Ausland veräußert werden, könnte aber innerhalb Deutschlands verkauft werden. Ist das denkbar?
Würth: Bekanntlich soll man nie nie sagen. Doch ich habe noch niemals ein Werk, das ich in den vergangenen 40 Jahren in meine Sammlung aufgenommen habe, wieder verkauft. Es hat jetzt seinen Platz in Schwäbisch Hall.
SPIEGEL: Sind Sie stolz darauf, das Werk dem Frankfurter Städel Museum weggeschnappt zu haben, das es ebenfalls haben wollte, aber nur 40 Millionen Euro aufbringen konnte?
Würth: Man sollte da nicht zu viel hineingeheimnissen. Ich bin zu 80 Prozent Kaufmann, zu 20 Prozent Kunstliebhaber. Die Kunst ist mein Kontrapunkt, ich erfreue mich an ihr, aber ich drifte nicht esoterisch ab, es ist auch nicht so, dass ich vor Freude nicht mehr schlafen kann. Schadenfreude ist meine Sache ebenfalls nicht, die ist mir fremd. Auch da bin ich nüchterner Kaufmann, Kaufleute treffen einfach Entscheidungen.

DER SPIEGEL 3/2012
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