14.12.1998

GESTORBENMax Streibl

66. Er war 1970 in Bayern der erste Umweltminister in Deutschland, später elf Jahre lang ein souveräner, solider Finanzminister und von 1988 bis 1993 ein überforderter Ministerpräsident. Schon bald, nachdem er als Nachfolger von Franz Josef Strauß "das schönste Amt der Welt" (Streibl) angetreten hatte, begann eine Serie von Peinlichkeiten und Affären. Erst ließ er sich von der Caritas für den Bau eines Privatdomizils in München günstig ein Grundstück verkaufen, auf dem eigentlich ein Altenheim hätte entstehen sollen. Dann lobte er den österreichischen Rechtsaußen Jörg Haider als "Hoffnungsträger". Anfang 1993 schließlich flog die "Amigo-Affäre" auf: Streibl hatte sich privat von seinem Unternehmerfreund, dem Flugzeugbauer Burkhart Grob, zu teuren Reisen nach Brasilien und Kenia einladen lassen, für den er sich dienstlich beim Bundesverteidigungsministerium einsetzte. Das Bekenntnis, etwas Falsches oder gar Unrechtes getan zu haben, kam nicht über Streibls Lippen - und so stürzte er seine Partei in die schwerste Krise ihrer Geschichte. Erst als die CSU-Oberen überzeugt waren, mit Streibl bei der Landtagswahl 1994 die absolute Mehrheit zu verlieren, ließen sie ihn fallen. Streibl trat am 27. Mai 1993 zurück und machte Platz für Edmund Stoiber. Max Streibl starb am vergangenen Freitag nach einem Herzanfall in seiner Münchner Wohnung.

DER SPIEGEL 51/1998
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