16.04.2012

SYRIENDeutscher Waffenfrachter gestoppt

Kurz vor Erreichen des syrischen Hafens Tartus ist ein deutscher Frachter mit Waffen aus Iran gestoppt worden. Die "Atlantic Cruiser" der Emdener Reederei Bockstiegel hatte vor Tagen im Hafen von Dschibuti von einem iranischen Frachter schweres Militärgerät und Munition für das syrische Regime übernommen. Am vergangenen Freitag sollte die Fracht in Tartus gelöscht werden - dringend erwarteter Nachschub für das Assad-Regime. Durch Überläufer im syrischen Apparat wurde die Fracht bekannt und die Reederei gewarnt. Am Freitagmittag änderte die "Atlantic Cruiser" plötzlich den Zielhafen, nun sollte der unverdächtige türkische Hafen Iskenderun angelaufen werden. Dann stoppte das Schiff etwa 80 Kilometer südwestlich von Tartus und fuhr die nächsten Stunden im Kreis.
Schiffsmakler Torsten Lüddeke von der CEG. Bulk Chartering, die für die Befrachtung der "Atlantic Cruiser" verantwortlich ist, sagt: "Wir haben das Schiff gestoppt, nachdem wir Hinweise auf die Waffenladung erhielten." Es habe sich um eine sogenannte Kaltcharter gehandelt, der Frachter sei an die ukrainische Firma White Wale Shipping in Odessa vermietet worden. "Die haben uns als Ladung vor allem Pumpen und ähnliche Dinge deklariert", so Lüddeke, "Waffen hätten wir nie an Bord gelassen." Nun werde das 6200-Tonnen-Schiff erst einmal "da bleiben, wo es jetzt ist". Die ukrainische Charterfirma habe darauf bestanden, dass die "Atlantic Cruiser" Tartus anlaufe und keine Waffen an Bord habe. Nach SPIEGEL-Informationen wollte die Besatzung des Schiffes im zypriotischen Limassol Treibstoff bunkern, gab dort aber als Ladung "Waffen und Munition" an. Daraufhin wurde die Versorgung verweigert. Die Route von Dschibuti nach Tartus ist nach Erkenntnissen von Nachrichtendienstlern für iranischen Waffennachschub nach Syrien bekannt.

DER SPIEGEL 16/2012
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