04.01.1999

Norbert Blüm,

63, Ex-Arbeitsminister, wollte auch als Oppositionspolitiker diplomatischen Gepflogenheiten nachkommen. Wenige Tage vor seiner Abreise zu einer touristischen Expedition durch die libysche Wüste suchte der quirlige Abgeordnete Kontakt zur Bonner Botschaft Libyens. Mit einem Wagen der Fahrbereitschaft des Bundestages ließ Blüm sich in die Bonner Vertretung des Wüstenstaates chauffieren, um seine bevorstehende Ankunft zu avisieren. Freudiges Erstaunen über die überraschende Visite des prominenten Christdemokraten - ein Ad-hoc-Termin mit dem Botschafter ließ nicht auf sich warten. Wüsten-Fan Blüm bekundete seine Begeisterung für Kamel- und Karawanen-Tourismus, und beim Tee entspann sich ein Dialog zwischen "Nobby" und dem Diplomaten. Ob er denn diese oder jene Oase kenne, wollte der Gast wissen. Der Botschafter verneinte. Ob er denn diese oder jene Wüste schon einmal durchquert habe, setzte Blüm nach. Der Botschafter verneinte. Ob der Herr Botschafter überhaupt schon mal in der Wüste gewesen sei? Der Botschafter verneinte. Erst danach, so Blüm, habe ihn die doch sehr dunkle Hautfarbe seines Gegenübers mißtrauisch gemacht. Er fragte den Diplomaten, ob er überhaupt Botschafter der Republik Libyen sei. Der Botschafter verneinte: er vertrete Ruanda in Bonn. Dennoch habe ihm die Teestunde mit dem prominenten Christdemokraten großes Pläsier bereitet.

DER SPIEGEL 1/1999
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