08.02.1999

TÜRKEI„Wir kriegen ihn“

Necati Bilican ist Chef der türkischen Generaldirektion für Sicherheit und damit der oberste Polizist des Landes.
SPIEGEL: Seit seiner Flucht aus Rom kreist Abdullah Öcalan durch den europäischen Luftraum. Haben die Türkei und ihr mächtiger Geheimdienst noch Einfluß auf das Schicksal des PKK-Chefs?
Bilican: Wir kennen seine Bewegungen genau. Öcalan hat sich nach seiner Flucht aus Italien über die griechische Insel Korfu ins russische Nischni Nowgorod abgesetzt, danach versuchte er vergebens, in den Niederlanden unterzukommen. Zur Zeit hält er sich offenbar wieder in Rußland auf. Wir sind ihm auf der Spur, wir werden ihn kriegen.
SPIEGEL: Presseberichten zufolge kam Öcalan mit seiner Flucht aus Rom dem Zugriff einer Spezialeinheit zuvor. Seine Anwältin behauptet, die Türkei plane weiterhin einen Anschlag auf Öcalan.
Bilican: Das kann ich weder bestätigen noch dementieren. Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern hat die Türkei im Fall Öcalan bislang bewiesen, daß sie ein Rechtsstaat ist.
SPIEGEL: Was wissen Sie über das Flugzeug, mit dem er unterwegs ist?
Bilican: In der Regel benutzt er gemietete Privatflugzeuge, die mit Drogengeldern bezahlt werden. Wir haben Hinweise, daß er vorübergehend auch mit einer Maschine des Internationalen Roten Kreuzes unterwegs war.
SPIEGEL: Welche Schlupfwinkel bleiben dem PKK-Chef?
Bilican: Für Öcalan kommen nur Länder in Frage, in denen er mit seiner Organisation in Kontakt bleiben kann - also vor allem Europa. Das macht es für die Türkei relativ einfach: Keines dieser Länder wird ihn auf Dauer aufnehmen, keines will wegen eines Terroristen seine Beziehungen zu Ankara aufs Spiel setzen.
SPIEGEL: Aber keines der Länder machte Anstalten, ihn auszuliefern.
Bilican: Von einem Staat wie Griechenland können wir bei der Terrorismusbekämpfung nichts erwarten; dort bestehen seit Jahren PKK-Lager. In Rußland und Italien haben wir das Problem, daß fanatische Gruppen Öcalan politisch instrumentalisieren. Doch sie sollen sich nicht täuschen: Die Türkei hat Mittel, ihre Sicherheitsinteressen durchzusetzen. Syrien haben wir mit einer Kriegsdrohung zum Einlenken gebracht. Aber das ist nur eine Möglichkeit.

DER SPIEGEL 6/1999
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


  • Unerwartetes Breakdance Battle: 7-Jähriger trifft auf Cop
  • Faszinierende Aufnahmen: Taucher treffen auf Mondfisch
  • Archäologie: Jahrtausendealtes Wandrelief in Peru entdeckt
  • Virtuelle Realität: Musikproduktion in 3D