18.06.2012

ZDF„Steif, trocken, künstlich“

Das wahre Leben findet auf anderen Sendern statt - und nicht im ZDF. Dies ist das Ergebnis einer Zuschauerbefragung der Mainzer Anstalt, die dieser ein verheerendes Zeugnis ausstellt. Befragt worden waren sowohl die vorwiegend älteren Stammseher, die in der Untersuchung als "sterbende" Zuschauergruppe bezeichnet werden, als auch Jüngere, die das Zweite kaum einschalten. Demnach ist das ZDF in der allgemeinen Wahrnehmung kein Familienprogramm mehr, sondern "ein Sender für alte Zuschauer". Unter 50-Jährige fühlen sich "über weite Strecken ausgegrenzt". Das Informationsangebot wird als "zu weit weg vom Zuschauer" sowie als "steif, trocken, künstlich" bezeichnet, die Tonalität der fiktionalen Programme sei "nicht modern genug". Galt das ZDF in früheren Jahren als gewichtiger Unterhaltungsdampfer, erscheinen die heutigen Shows den Befragten als "wenig präsent und wenig besonders". Selbst die Strahlkraft der Vorzeigemoderatoren hält sich in Grenzen: Der Talk von Markus Lanz laufe "so spät, dass er im Gefühl der Zuschauer kaum existiert", die Jörg-Pilawa-Shows würden "(noch) nicht als Highlight erlebt", heißt es in der Untersuchung. Die Kochshows am Nachmittag vermittelten gar den Eindruck von "Monotonie und Stagnation". Formate auf prominenten Sendeplätzen zementierten das Bild des "braven" und "bodenständigen Senders für ältere Zuschauer". Positiv bewertet werden Comedy-Sendungen wie die "heute-show". Der "Fernsehgarten" wird als "ZDF-Anker mit positiver Strahlkraft" empfunden, lobend erwähnt wird auch die Doku-Reihe "Terra X". Im Resümee warnt die Studie vor einem "Teufelskreis": Orientiere man sich weiter am Erfolg beim Gesamtpublikum, sichere dies kurz- bis mittelfristige Erfolge; auf lange Sicht aber drohten "massive Verluste, da neue, jüngere Zielgruppen außen vor bleiben". Wie das ZDF mitteilt, würden die Ergebnisse der Image-Untersuchung in die "redaktionelle und planerische Entwicklungsarbeit" einfließen.

DER SPIEGEL 25/2012
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