18.06.2012

Männer mit Knüppeln

Wer steht hinter dem Massaker von Hula? Truppen des Assad-Regimes oder Angehörige der Opposition?
Es war der Nachmittag des 25. Mai, der Tag, an dem der Ort Hula bei Homs weltbekannt wurde, als Synonym für die Grausamkeiten des syrischen Regimes, als Schauplatz eines Massakers, bei dem 108 Menschen starben, vor allem Kinder und Frauen.
In den letzten Tagen legten deutsche Medienberichte nahe, Aufständische hätten das Massaker verübt und anschließend Assads Truppen dafür verantwortlich gemacht. Berichte von Augenzeugen, mit denen der SPIEGEL nun sprach, ergeben ein anderes Bild: Aiman Hassan Abd al-Rassak, Bauer und Überlebender des Massakers, sah an jenem Tag, kurz vor 17 Uhr, wie auf dem Hügel des Dorfes Fula, einen halben Kilometer südlich, Busse des syrischen Militärs ankamen. 60 bis 70 Männer in Uniform marschierten auf sein Dorf zu, begleitet von etwa 200 Männern in Zivil.
Da er bereits zweimal in den Monaten zuvor verhaftet worden war, versteckte er sich zwischen Büschen und Feldern. Und so musste er mit anhören, wie Minuten später seine Familie ermordet wurde - seine Frau und die fünf Kinder.
Zwei weitere Augenzeuginnen, Umm Schaalan Abd al-Rassak und Samira Suwai, beobachteten ebenfalls, wie die beiden Gruppen - Militärs und Männer in Zivil - sich auf dem Hügel sammelten und in den Ortsteil Taldu liefen. Unmittelbar zuvor hatte der Granatenbeschuss der Armee auf Hula aufgehört.
Ein anderer Zeuge, der nur seinen Vornamen Saria angibt, beschreibt zwei große, weiße Busse und mindestens drei größere Autos. Auch er sah Soldaten in Uniform, Geheimdienstler mit Waffen und Männer in Trainingsanzügen und Alltagskleidung, die Macheten und Knüppel bei sich trugen.
In die Häuser seien nur diese Männer gegangen. Ob es sich bei ihnen tatsächlich um Schabiha-Milizionäre aus Fula und alawitischen Nachbardörfern handelt, lässt sich nicht beweisen. Es liegt aber nahe, da sie zu Fuß in das Dorf auf dem Hügel gekommen waren.
Auch andere Aussagen sprechen gegen die jüngsten Schilderungen, publiziert unter anderem in der "FAZ", denen zufolge Angehörige der Opposition für das Massaker verantwortlich seien. Denn, anders als berichtet, leben in Hula nur Sunniten und keine regimetreuen schiitischen Konver-titen.
Warum aber sollten die Aufständischen ein Massaker an ihren eigenen Gefolgsleuten verüben, die im Übrigen unter Anteilnahme von Sunniten aus Hula begraben wurden?

DER SPIEGEL 25/2012
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