13.01.1997

GESTORBENGestorben Melvin Calvin

85. Für den in Minnesota geborenen Sohn russischer Eltern war es ein Glücksfall, daß er an der Hiroschima-Bombe mitarbeiten durfte. Von den Rüstungsforschern zweigte der Chemiker radioaktiven Kohlenstoff ab, der damals schwer erhältlich war, gab ihn Pflanzen und folgte seiner Spur während der Photosynthese. Calvin (im Hintergrund abgebildet) beschrieb detailliert, wie Pflanzen den Kohlenstoff aus der Luft binden und daraus mit Wasser und Licht Zucker herstellen. Durch seine Forschungen klärte er den wichtigsten biochemischen Prozeß und wurde dafür 1961 mit dem Nobelpreis belohnt. Nach der Ölkrise verblüffte er mit der Mitteilung, die Amerikaner könnten künftig an Bäumen tanken: Im Stamm eines Wolfsmilchgewächses hatte er einen Saft gefunden, der Petroleum sehr ähnlich sei, allerdings zu zäh. Er kam nicht mehr dazu, dünnflüssigere "Benzinbäume" zu züchten. Melvin Calvin starb am vorigen Mittwoch im kalifornischen Berkeley, wo er bis zu seiner Emeritierung 1980 als Professor tätig war.

DER SPIEGEL 3/1997
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