09.07.2012

TAUCHENIm Knochengarten

Das Blue Hole an der Ostküste des Sinai zieht Taucher aus aller Welt an. Sie gleiten dort über hundert Meter in die Tiefe. Wer in dem Loch die Nerven verliert, bezahlt mit dem Leben. Von Maik Großekathöfer
Tarek Omar sagt, er wisse nicht genau, wie viele Leichen er schon geborgen habe, "irgendwann kam ich mit dem Zählen nicht mehr mit". Er könne sich aber noch gut daran erinnern, sagt er, wie die ersten zwei Toten hießen, die er aus der Tiefe geholt hat, aus dem Roten Meer zurück ans ägyptische Tageslicht.
"Das waren Conor O'Regan und Martin Gara. Iren. Sie galten als umsichtige Taucher. Die beiden sind hier am 19. November 1997 gestorben. Sie waren erst 22 und 23 Jahre alt. Traurig."
Tarek Omar sitzt unter einer Markise am Rand der Wüste, trinkt Tee mit Milch und schaut auf den Golf von Akaba, der an die Ostküste des Sinai schwappt. Die nächste Stadt liegt zehn Kilometer weiter südlich, es ist der Ferienort Dahab.
"Ich habe die Körper auf 102 Meter gefunden", sagt Omar. "Sie hielten sich da unten in den Armen. Es kann nur so gewesen sein: Der eine hatte Probleme und ist immer tiefer gesunken. Der andere wollte ihm helfen. Und dann haben beide das Bewusstsein verloren. Was will man machen? Dort vorn ist ihr Gedenkstein."
Er tritt aus dem Schatten und läuft über einen staubigen Pfad. Sonnenverbrannte Touristen in Schwimmweste schnorcheln im Meer. Am Ende der Felsenbucht bleibt Omar stehen, er deutet auf eine schwarze Platte aus Marmor, die in den Boden gemauert ist. "In Loving Memory" steht darauf. "Es ist nur ein Mahnmal von vielen", sagt er und dreht sich um.
"Da …", er zeigt auf eine weiße Tafel im Fels, "Jurij, ein Russe. Am 28. April 2000. Schlimme Geschichte. Lag auf 115 Meter. Und da …", eine schwarz-rote Platte, "James, 1. Juni 2003. Auf 135 Meter. Dann hier …", eine graue Plakette, "Andrej, noch ein Russe. 24. August 2004. Die Leiche habe ich nicht entdeckt. Auf 170 Meter liegen noch eine Flasche und ein Neoprenanzug, das könnte sein Equipment sein."
Der Österreicher Karl Marx: 10. Januar 2007. Der Schweizer Stefan Felder: 23. September 2008. Madlen, eine Tauchlehrerin aus Sachsenhausen: 9. Mai 2009. Der Strand sieht aus wie ein Friedhof.
14 Gedenksteine, gewidmet Tauchern, die im Blue Hole ums Leben gekommen sind, in einem Loch im Dach des Saumriffs, rund 80 Meter im Durchmesser. Seine Wände verengen sich nach unten wie bei einem Trichter, sind aber nicht geschlossen: In 52 Meter Tiefe öffnet sich ein Torbogen, der Einstieg in einen 26 Meter langen Tunnel, der ins offene Meer führt. Im Tunnel fällt der Grund von 102 Meter auf 120, außerhalb geht es stufenweise abwärts, zuerst bis 130 Meter, dann 150, 250, 300, zuletzt 800 Meter.
Es ist zehn Uhr morgens, 23 Geländewagen holpern an das Blue Hole und laden Tagesgäste aus Scharm al-Scheich ab. Eine Frau in roter Bikinihose schlappt zur Gedenkstätte und fotografiert. Das Motiv ist beliebt.
Es gibt schönere Tauchreviere als das Blue Hole von Dahab, mit bunteren Korallen, mehr Fischen, mit Wracks, Kanälen und Höhlen. Das Blue Hole aber gilt als der berühmteste Tauchspot der Welt. Weil er der gefährlichste ist.
Eine offizielle Liste existiert nicht, aber Tarek Omar schätzt, dass in den vergangenen 15 Jahren mehr als 130 Taucher in dem Loch umgekommen sind. Er sagt, was im Blue Hole passiere, könne man vergleichen mit dem Wahnsinn auf dem Mount Everest.
Wahrscheinlich gibt es niemanden, der mehr über das Blue Hole weiß als Omar. Er war der Erste, der das Loch erkundet, den Boden berührt, die Leichen auf dem Grund gesehen hat. Bis heute hält er den Tiefenrekord in der Gegend, 209 Meter.
Die Einheimischen in Dahab überliefern die Legende, die Seele eines toten Mädchens hole die Taucher zu sich; es räche sich an seinem Vater, einem Feldherrn, der seine Tochter einst zwang, sich im Blue Hole zu ertränken.
"Ich kenne jeden Winkel da unten, und ich habe nichts gesehen", sagt Omar. "Kein Monster und keine Meerjungfrau."
Omar ist 47 Jahre alt, geboren in einem Dorf nahe der Grenze zu Libyen, ein Beduine vom Stamm der Aulad Ali, schmal, mit grauem Backenbart und freundlichen Augen. Er trägt die weiße Galabija, ein hemdartiges Gewand, dazu Turban, Latschen und eine Pilotenbrille von Ray-Ban. Omar besitzt zwei Handys und ein iPad.
1989 hat es ihn nach Dahab verschlagen, auf der Suche nach einem Job. 1992 hat Omar das Tauchen gelernt, drei Jahre später begann er, als Tauchlehrer zu arbeiten. Seitdem habe er alle Missionen im Blue Hole durchgeführt, sagt er. Mission - so nennt Omar das, wenn er einen Toten an die Oberfläche bringt.
Er sagt, er warte nicht lange, bis er eine Leiche berge, zwei oder drei Tage, maximal sieben. "Die Eltern wollen doch eine Beerdigung." Außerdem sehe der Körper furchtbar aus, wenn er länger im Wasser liege. Wegen der Krebse. Da sei es besser, ihn unten zu lassen.
Omar zwängt sich in seinen Neoprenanzug, er will runter ins Loch, aber nur zum Spaß heute. "Es ist nicht schwierig, im Blue Hole zu tauchen. Im Gegenteil", sagt er. "Aber das macht es riskant." Was er meint: Viele Taucher unterschätzen das Loch, und dadurch wird es zur Falle.
Das Blue Hole ist mühelos zu erreichen, man muss nicht mit dem Boot rausfahren, muss nicht mal schwimmen. Nur reinhüpfen. Gut zehn Meter sind es vom Liegestuhl ins Blue Hole. Das Wasser ist warm, keine Strömung, die Sicht ist gut.
Wenn Omar hinabgleitet, schwebt er wie ein Astronaut im Weltall, nahezu bewegungslos. Langsam verschwinden das Licht und die Farben, zuerst Rot, später Orange und Gelb. Am Ende bleibt Blau, daher der Name.
In 45 Meter Tiefe etwa kehrt das Licht zurück; am Schönsten ist es morgens, wenn die Sonne über Saudi-Arabien aufgeht und direkt durch den Tunnel ins Blue Hole strahlt. Ein mystischer Anblick, der auch Taucher anlockt, die dort unten nichts zu suchen haben.
Früher war Dahab ein Fischerdorf, nun versuchen Kellner vor den Restaurants an der Promenade, bummelnde Urlauber zu ködern. In den Ramschboutiquen verstauben Wasserpfeifen; Hotels und Bars reihen sich an Safari-Agenturen und Tauchbasen. Wie viele es gibt, weiß niemand exakt; registriert sind 52, dazu kommen die Tauchschulen, die ohne Lizenz tätig sind.
Weil die Konkurrenz hart ist, sind die Preise niedrig, Tauchen ist ein Discount-Geschäft in Dahab. Ein Anfängerkurs kostet 200 Euro, ein geführter Tauchgang am Hausriff 25; wer fünf Tauchgänge im Paket bucht, kriegt einen Tauchgang gratis.
Tarek Omar hat das erste Center für technisches Tauchen in Dahab eröffnet. Die Meister unter den Sporttauchern benutzen spezielle Gasgemische, ihre Zusammensetzung ist abhängig von der geplanten Tiefe. Mit Trimix oder Heliox lässt sich der Tunnel im Blue Hole bequem durchtauchen. Mit Pressluft nicht.
Die kritische Grenze für das Tauchen mit Pressluft liegt bei 56 Metern. Der Ausgang des Tunnels befindet sich an seiner Oberkante einen Meter tiefer.
Um Unfälle zu vermeiden, schreibt der ägyptische Tauchverband vor, dass man im Roten Meer mit Pressluft nicht tiefer als 40 Meter tauchen darf. In Dahab aber kann man Tiefe kaufen. Es ist leicht, einen Guide zu finden, der bereit ist, einen Taucher für 100 Euro unter der Hand in den Tunnel zu bringen, ohne überflüssige Fragen zu stellen.
Schon der dritte Versuch fruchtet: Der Mann mit dem blonden Zopf will nicht den Tauchschein sehen, auch nicht das Logbuch, in dem jeder Tauchgang dokumentiert wird. Nur eines ist ihm wichtig: "Wann soll es losgehen?"
Der Mann ist ein Russe, und die Russen genießen einen schlechten Ruf in Dahab, nicht nur die Tauchführer, auch die normalen Taucher. Sie gelten als leichtsinnig. "Russisches Roulette", sagt Omar.
Unter Tauchern gilt die Faustregel, dass alle zehn Meter einem Glas Martini entsprechen, und wer zum ersten Mal trinkt, hat schnell einen Schwips. Schon auf 30 Meter kann der Tiefenrausch einem unerfahrenen Taucher die Sinne verwirren. Wenn sich wegen des steigenden Drucks zu viel Stickstoff im Blut löst, schwindet das Urteilsvermögen. Es gibt Taucher, die mit Pressluft im Tunnel waren und geschworen haben, sie hätten ein Orgelkonzert von Bach gehört. Andere berichten von Gedächtnislücken oder fühlten sich wie bekifft.
So wie ein Säufer zu Beginn seiner Sucht eine Toleranz gegen Alkohol entwickelt, so kann sich auch ein Taucher an eine hohe Konzentration von Stickstoff gewöhnen. Unter Wasser aber wird auch Sauerstoff irgendwann schädlich, er verwandelt sich in ein Gift, das Schwindel auslöst, Übelkeit, Krampfanfälle. Schließlich Bewusstlosigkeit.
Omar fährt den Computer in seiner Tauchschule hoch, weil er einen Film auf YouTube zeigen möchte. "Jurij Lipski. Er ist ohne seinen Buddy abgetaucht. Allein das ist schon irre. Jurij hatte eine Videokamera dabei. Die habe ich mit der Leiche hochgebracht. Ich dachte, die Kamera ist kaputt, aber sie funktionierte noch. Jurij hat gefilmt. Die ganze Zeit. Er hat seinen Untergang aufgenommen."
Das Video dauert sieben Minuten und 16 Sekunden, Lipski taucht mit Pressluft, zwölf Liter. Er scheint anfangs noch alles unter Kontrolle zu haben, aber dann fällt und fällt er, sein Tauchcomputer ist im Bild zu sehen: 81,7 Meter, 85,3 Meter, in 91,6 Meter Tiefe trifft er auf den Grund. Lipski versucht, seine Tarierweste aufzublasen, um Auftrieb herzustellen, aber es klappt nicht. Er beginnt zu zappeln, Sand wirbelt auf. Dann bleibt das Bild stehen. Omar klickt den Film weg.
"Jurij lag mit dem Gesicht auf dem Boden, als ich ihn geborgen habe", sagt er und beginnt eine Aufzählung: "Erstens", er streckt den Daumen raus, "Jurij war zu schwer. Zwölf Kilogramm Blei am Gurt, dazu die Flasche, die Kamera und die Batterien." Der Zeigefinger: "Zweitens, seine Weste ist geplatzt. Sie war schon voll, als er Luft reinpumpen wollte." Der Mittelfinger: "Drittens, Sauerstoffvergiftung. Deswegen die Zuckungen. Das war's."
Aber nicht nur Presslufttaucher verunglücken im Blue Hole, auch den technischen Tauchern, die ausgebildet sind, auf 100 Meter und mehr runterzugehen, unterlaufen fatale Fehler.
Omar sagt, technisches Tauchen verlange Disziplin, es gebe aber immer wieder Touristen in Dahab, die würden bis nachts um drei feiern, und morgens um neun tauchten die dann im Blue Hole. Er verzweifle an den Verrückten, die unbedingt diese Zahl in ihrem Tauchcomputer haben wollen, "die magische 100", um den Frauen in der Disco zu imponieren.
Am 7. November 2011 ging Igor Schalo aus Moskau auf 150 Meter runter, sein Logbuch wies 400 Tauchgänge auf. Nummer 401 überlebte er nicht.
Auf seinem Weg abwärts, an der Außenwand des Blue Hole, auf 90 Meter, begegnete er einem schwedischen Taucher. Der erzählt nun in Dahab, Schalo habe sich unsicher bewegt, ihm aber signalisiert, er sei okay, indem er einen Kreis formte aus Daumen und Zeigefinger.
Schalo hatte kaum Erfahrung mit Dekompressionstauchgängen, er war auf 40 Meter gewesen, auf 50, 66, 85 und 106 Meter. Bei einem Dekompressionstauchgang ist es notwendig, während des Aufstiegs mehrmals zu stoppen, eine bestimmte Tiefe muss für eine bestimmte Zeit gehalten werden; der Taucher wartet und gewöhnt seinen Körper an den fallenden Druck. Er dekomprimiert, um gesund nach oben zu kommen. Igor Schalo war so gut wie tot, als er an die Oberfläche zurückkehrte.
Er sank nicht senkrecht in die angepeilte Tiefe, sondern traf schon in 120 Meter auf Grund - sein erster Fehler. Er tauchte dann knapp über dem Boden weiter runter auf 150 Meter - sein zweiter Fehler. Denn das kostete ihn Kraft. Zeit. Und damit Luft. Beim Aufstieg geriet er auf 130 Meter in Atemnot.
Schalo bekam Panik und stieg unkontrolliert auf. Wie ein Ballon schoss er an die Oberfläche. Ein Augenzeuge berichtet, Schalo habe noch um Hilfe geschrien.
Der Aufstieg sollte nie schneller sein als zehn Meter pro Minute: Ein Taucher atmet Stickstoff ab, wenn der Druck nachlässt; kommt er zu rasch hoch, bildet das Gas im Blut Bläschen, die Schmerzen in den Ellenbogen auslösen, in den Knien und Schultern. Die Bläschen können aber auch Gefäße und Gewebeteile verstopfen, im Gehirn, im Herzen, in der Lunge, im Rückenmark. Die letzten zehn Meter sind besonders heikel, weil der Druck von zwei auf einen Bar, also um die Hälfte sinkt.
"Schalo muss gesprudelt haben wie Pepsi-Cola", sagt Heikal Tawab, leitender Arzt im Hyperbaric Medical Center in Dahab. Taucher, die zu schnell hochkommen, müssen sofort zu ihm, in die Druckkammer. Die sieht aus wie ein U-Boot, sechs Patienten können gleichzeitig behandelt werden. Tawab simuliert bis zu 60 Meter Tiefe, dann reduziert er den Druck langsam wieder, während drinnen die Kranken sitzen und Sauerstoff atmen, um die Bläschen zu ersticken.
Tawab rechnet jeden Moment mit einem Notfall, sein Telefon stellt er nie aus. Er rettet Leben, aber manchmal kann auch er nichts tun. Es gab einen Fall, da saß ein Mann bereits sechs Stunden lang in der Kammer, Tawab hatte ihn schon auf drei Meter gebracht, er hätte noch zehn Minuten gebraucht. "Plötzlich ging es ganz schnell. Ich hatte keine Chance."
Er ist ein Mensch, der wütend sein kann, ohne laut zu werden. Es ärgere ihn am meisten, sagt er, dass man ihm oft Taucher bringe, die seit einer halben Stunde tot sind. So lange dauert es vom Blue Hole mit dem Auto zur Druckkammer.
"Der Weg führt über Geröll. Wir müssen endlich eine richtige Straße bauen", sagt Tawab. "Und warum gibt es am Blue Hole keine Ambulanz? Die medizinische Versorgung vor Ort ist lachhaft."
Tawab ist selber Taucher, im Blue Hole war er aber noch nie, "kein Bedarf". Es sei nur eine Frage der Zeit, sagt er, bis Tarek Omar wieder einen Toten herausholen müsse.
Omar wohnt in einer Gasse abseits des Trubels in Dahab, vor der Terrasse steht eine rostige Brustpresse, an der er sich fit hält. Omar zeigt eine Urkunde, in fünf Sprachen dankt ihm Alexander Lipski für "die gefährliche Mission, den Körper meines Sohnes" geborgen zu haben.
Er hole die Leichen hoch, weil er helfen möchte, sagt Tarek Omar. "Mir geht es nicht um Geld. Ich verlange nichts. Ich berechne nur den Preis für das Gas."
Tarek, wie spüren Sie eine Leiche im Blue Hole auf, in den Spalten, im Sand?
"Wenn ich etwas in Ihrem Garten verstecken würde, würden Sie es doch auch schnell finden."
Er entdeckt sie so: Omar erkundigt sich zunächst, mit was für einer Ausrüstung der Tote tauchen war. Wie dick war der Neoprenanzug? Wie viel Blei trug er am Gurt? Er muss das wissen, um eine Idee davon zu kriegen, wie die Leiche gesunken ist; ein Toter fällt nicht zu Boden wie ein Stein. Er fragt den Buddy, wo der seinen Partner zuletzt gesehen habe, in welcher Tiefe. Dann informiert er mit seinem Team die Touristen: Sie würden gleich eine Leiche bergen, man könne bleiben, möge sich aber von allem fernhalten, das an die Oberfläche komme.
Dann springt Omar ins Wasser, und sobald er an die Stelle kommt, wo der Taucher verunglückt sein muss, lässt er sich treiben, als wäre er selbst tot.
Die meisten Leichen liegen zwischen 100 und 120 Meter Tiefe. Hat Omar einen Toten gefunden, nimmt er die Leiche in den Arm oder bindet sie sich um. Fünf Minuten hat er dafür. Dann taucht er auf.
Omar sagt, es störe ihn nicht, permanent die Leiche anzuschauen, er habe "Night of the Dead" gesehen, einen Horrorfilm, das sei schlimmer gewesen. Auf 40 Meter, wenn er die Oberfläche erkennen kann, schickt er die Leiche mit einem Luftsack hoch.
Weil Omar lange dekomprimieren muss, bleibt er bei einer Mission bis zu drei Stunden lang unter Wasser. Wenn er an Land kommt, ist die Leiche längst abtransportiert.
Abends gegen sieben hat sich der Wind am Blue Hole gelegt, die Cafés sind verlassen, und Tarek Omar klettert einen Felsen hinauf. Am Horizont blinken die Lichter einer Stadt in Saudi-Arabien, die ersten Sterne leuchten. Von oben versprüht das Blue Hole jetzt einen hypnotischen Zauber: Ein Klecks im türkisen Riff, der Taucher anzieht wie ein Magnet.
Noch immer liegen Knochen auf dem Grund des Blue Hole, und die Angehörigen wollen, dass sie dort bleiben.
Tarek, können Sie sich vorstellen, im Blue Hole die letzte Ruhe zu finden? Für immer in die Tiefe zu schweben, so wie der Taucher in dem Film "The Big Blue"?
Er guckt auf das Loch. Schweigt. Dann lächelt Tarek Omar.
"Nein", sagt er.
Von Maik Großekathöfer

DER SPIEGEL 28/2012
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