17.03.1997

KULTURPOLITIKWer schläft, scherzt nicht

Der Kabarettist Matthias Deutschmann, im Erdenken absurder Possen geübt, sieht sich durchs reale Leben übertroffen: Vor zwei Jahren rief Deutschmann in seinem Wohnort, dem badischen Städtchen Müllheim, einen Kulturpreis ins Leben, mit dem bislang der Kabarettist Georg Schramm und der Sättigungsexperte Wolfram Siebeck geehrt wurden. Die örtliche Zustimmung hielt, bis Deutschmann, Träger des Deutschen Kleinkunstpreises 1994, in Lokal-Glossen der nah beheimateten basler zeitung über den Müllheimer Bürgermeister Hanspeter Sänger spöttelte und ihn gar als "Schwarzbaumeister im Rampenlicht" bezeichnete, weil ein Gericht den Bau einer Straße gestoppt hatte. Auch verlästerte Deutschmann den Müllheimer "City-Bus" als "nahezu fahrgastfrei". Die eher matten Späße fand der attackierte Bürgermeister, offenbar mit wenig Verständnis fürs satirische Fach ausgestattet, "krampfhaft, geistlos, zynisch und an den Haaren herbeigezogen", sie seien eine "die Gefühle der Müllheimer Bürger verletzende Schreiberei". Einen Monat später stoppte die Stadt dann Deutschmanns "Gutedel-Preis". Den Grund erklärte der Kulturamtsleiter dem Kabarettisten am Telefon: "Man scheißt nicht dahin, wo man schläft."

DER SPIEGEL 12/1997
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