24.03.1997

INDUSTRIELothar Späth will Salamander

Der Vorstandschef des ostdeutschen Technologiekonzerns Jenoptik, der frühere Stuttgarter Regierungschef Lothar Späth, will mit einem großen Coup sein Unternehmen für den Börsengang im Jahr 1998 fit machen: Er bemüht sich um einen Einstieg beim traditionsreichen Schuhhersteller Salamander, der 1996 bei 1,3 Milliarden Mark Umsatz rund 20 Millionen Mark Verlust machte. Der Ex-Politiker hat bereits etliche Firmen dazugekauft, etwa den Chip-Spezialisten Meissner & Wurst sowie die Telekommunikationsfirma Krone. Von Salamander dürfte Jenoptik (Umsatz: 1,9 Milliarden Mark) vor allem die Tochter Deutsche Industriewartung behalten. Die Servicefirma (operativer Gewinn 1996: rund 30 Millionen Mark) betreut bei Konzernen wie VW Anlagen und reinigt Bahnzüge. Zudem könnten Teile der Industrieproduktion von Salamander den aufstrebenden Dienstleistungsbereich von Jenoptik stärken.
Die Schuhproduktion der Schwaben - von "Lurchi"-Kinderschuhen bis "Camel"- Boots - wird nach dem Späth-Konzept zusammen mit einem Partner fortgeführt, erklärt ein Banker. Im Gespräch sei das Schweizer Unternehmen Bally. Die umfangreichen Salamander-Immobilien könnten verkauft, das Firmengelände in Kornwestheim in einen modernen Gewerbepark umgewandelt werden. Offiziell bestreitet Jenoptik jedes Interesse an Salamander.
Als weiterer Übernahmeinteressent gilt der Salamander-Aufsichtsrat Klaus Peter Zühlsdorff. Der frühere Chef des Haarpflegekonzerns Wella arbeitet seit Anfang 1996 für den New Yorker Finanzier Ronald O. Perelman. Er hat seit 1978 über 40 Firmen erstanden und einen Teil davon mit viel Gewinn wieder verkauft. Zühlsdorff war engagiert worden, um die strategische Ausrichtung des internationalen Geschäfts zu begleiten, inklusive An- und Verkäufe.
Die fünf Großaktionäre von Salamander - Deutsche Bank, Münchener Rückversicherung, Commerzbank, Victoria Versicherung und die Industriellenfamilie Voith - sichteten vergangenen Mittwoch die Konzepte. Salamander sei eigentlich "ein Dienstleistungsunternehmen mit Immobilienbesitz, das auch Schuhe produziert", sagt Aufsichtsrat Friedrich M. Thomée.
Unter den Haupteignern, die zusammen über 50 Prozent halten, gelten vor allem Deutsche Bank und Münchener Rück als Verkaufskandidaten. Ein Investor hat an der Börse seit Jahresanfang bereits systematisch Aktien gekauft, der Kurs stieg von 150 auf zuletzt 214 Mark.
Die Großaktionäre erwarten einen weiteren Boom. Der gegenwärtige Börsenwert von rund 400 Millionen Mark sei "ein Witz", meint Aufseher Thomée. Die Entscheidung über den Umbau soll vor der Hauptversammlung Ende April fallen.

DER SPIEGEL 13/1997
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